Unterricht

Die lieben Kollegen und Kolleginnen … so bleiben Sie sich treu

Wer kennt sie nicht, die lieben Kolleginnen und Kollegen. Bereits in den ersten Tagen des Referendariats haben Seminarkollegen, die Ausbilder und Ausbilderinnen am Seminar und auch die Lehrkräfte an Ihrer Ausbildungsschule tausend und einen Rat für Sie parat. Wie Sie geschickt damit umgehen – und auch Grenzen ziehen, nennt Ihnen der folgende Beitrag.
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Tausend und ein Ratschlag …

„Sie müssen gleich von Anfang an die Zügel anziehen, sonst tanzen die Schüler über Tische und Bänke.“ – „Es geht nichts über das Lehrbuch xy …“ – „Ich weiß noch, wie verrückt ich mich zu Beginn des Referendariats gemacht habe. Denk dran, Auszeiten zu nehmen!“

Diese und ähnliche Ratschläge haben Sie zu Beginn Ihres Referendariats bestimmt auch gehört. Darunter sind sehr hilfreiche Tipps und Tricks für den Alltag, manche Ratschläge allerdings bauen die Ängste vor bestimmten Situationen nur auf. Oder aber Sie selbst haben schlichtweg eine andere Meinung zu den Themen. Wie gehen Sie also mit den Ratschlägen der Mitreferendarinnen und -referendare und Ihren ausbildenden Lehrkräften um?

Selbstreflexion

Nehmen Sie sich hierzu – am besten gleich zu Beginn Ihres Referendariates – ein paar Stunden Zeit. Überlegen Sie, welche Ziele möchten Sie mit Ihrem Unterricht erreichen? Was möchten Sie im Referendariat lernen? Wie sehen Sie sich als Lehrkraft? Gestalten Sie hierzu ein Mindmap, am besten auf einem großen Poster. Markieren Sie dann die „Top 3“ in den jeweiligen Kategorien. Schreiben Sie diese auf und formulieren Sie Ziele, wie Sie diese Schritte erreichen möchten, z. B. so:

Ich möchte, dass meine Schülerinnen und Schüler mich respektieren, indem ich ihnen verständnisvoll und authentisch begegne und mit ihnen gemeinsam Regeln für meinen Unterricht erstelle. Wer sich daran nicht hält, muss mit zuvor vereinbarten Konsequenzen rechnen.

Hängen Sie diese Ziele für Sie gut sichtbar an Ihrem Arbeitsplatz auf und verinnerlichen Sie diese. Je überzeugender Sie diese vertreten, desto glaubhafter werden Sie auch für Ihre Kolleginnen und Kollegen.

Sich selbst behaupten

Gewiss geraten Sie in Ihrem Unterricht oder auch im Seminar an Punkte, an denen Sie die selbst gesteckten Regeln noch einmal überprüfen sollten. Wehren Sie Kritik und Ratschläge also nicht von vorneherein einfach ab, sondern hören Sie sich diese an. Werten Sie sie danach auf einen Nutzen für sich selbst oder Ihre Arbeit aus. Bringen die Gedanken Sie weiter – oder sind sie einfach nur nicht konstruktiv? Dann bauen Sie sie entweder in Ihr Zieleprogramm ein oder schieben Sie sie beiseite.

Die ewigen Kritiker

Auch diesen Menschen werden Sie im Referendariat begegnen. Sie kritisieren jeden Ihrer Schritte und haben ständig gute Tipps auf Lager. Natürlich sollten Sie für konstruktive Ratschläge offen sein. Aber: Die Kolleginnen und Kollegen sollten nicht nur um der Kritik willen an Ihnen herummäkeln.

Sollte dies jedoch passieren, so notieren Sie sich zunächst, wann dies geschieht. Versuchen Sie, herauszufinden, aus welchem Anlass man Sie kritisiert oder auch korrigiert. Überlegen Sie dann gut, ob Sie dies ansprechen möchten. Fragen Sie zunächst, ob Sie sich einmal kurz zusammensetzen könnten – und erkundigen Sie sich, zu welchem Zeitpunkt dies besonders gut passt.

Fertigen Sie kurze Notizen vor der Unterredung an und beginnen Sie das Gespräch mit „Ich-Botschaften“. Also: „Ich nehme wahr, dass Sie in der Situation xy gerne in meinen Unterricht eingreifen.“ Bleiben Sie während des Gespräches unbedingt respektvoll. Versuchen Sie, dem jeweiligen Kollegen oder der Kollegin aktiv zuzuhören, und reagieren Sie auf die Äußerungen mit Gestik und Mimik oder auch mit zustimmenden Worten sowie mit Nachfragen.

Das Gespräch sollten Sie gemeinsam kurz zusammenfassen und überlegen, in welcher Form Sie in Zukunft mit der Problematik umgehen können.

Um sich im Referendariat behaupten zu können, sollten Sie sich klar darüber sein, welche Ziele und Werte Sie verfolgen. Verinnerlichen Sie diese Punkte, und zeigen Sie Bereitschaft, diese von Zeit zu Zeit zu modifizieren. So kommen Sie von Anfang an authentisch durch Ihre Anwärter- und Anwärterinnenzeit.

Alexandra von Plüskow ist Grund-, Haupt- und Realschullehrerin. Als solche sowie als Fachberaterin für das Fremdsprachenlernen in der Grundschule war sie an der Landesschulbehörde tätig. Derzeit arbeitet die zweifache Mutter als freie Fachjournalistin für verschiedene pädagogische Verlage sowie als Lehrbeauftragte.

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