Unterricht

Hallo, ich bin neu in der Klasse …

Diesmal geht es nicht um Sie selbst, sondern darum, wie Sie einem neuen Schüler den Einstieg erleichtern. Stellen Sie sich vor, Sie halten sich in einer Klasse auf. Plötzlich klopft es an der Tür … und vor Ihnen steht ein neuer Schüler. Niemand hat Sie informiert – nicht einmal der Klassenlehrer. Und was nun?
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Zunächst einmal: Unterbrechen Sie den Unterricht für einen Moment, legen Sie Ihre Sachen aus der Hand, begrüßen Sie den Schüler und heißen ihn in der Klasse willkommen. Doch wie geht es weiter?

Improvisieren

Setzen Sie den neuen Schüler nicht einfach auf einen freien Platz, um dann mit dem Unterricht fortzufahren. Das ist weder nett noch freundlich. Improvisieren Sie und geben Sie dem Schüler eine erste Möglichkeit, sich der Klasse vorzustellen, denn das erleichtert den Eintritt in die Klasse und Sie bekommen ein Bild davon, was für einen Typ Schüler Sie vor sich haben: eher einen aufgeschlossenen, der gerne von sich berichtet, oder vielleicht einen schüchternen, der nicht so viel sagen möchte.

Helfen Sie ihm dabei, seinen ersten Eindruck in der Klasse positiv für sich zu gestalten – lassen Sie ihn entweder reden oder stellen Sie Fragen, dann wird es einfacher. Erst danach fahren Sie mit dem Unterricht fort, und dieser kann weitergehen wie geplant.

Im Unterricht

Neue Schüler haben immer irgendwann Probleme. Sie verstehen Aufgabenstellungen nicht richtig oder haben nicht alle benötigten Materialien dabei. In den ersten Tagen muss für so etwas Verständnis gezeigt werden, Buchbestellungen können auch bis zu einer Woche dauern – danach aber sollte alles vorhanden sein. Geben Sie den Schülern klare Anweisungen, am besten gleich eine Liste, dann können Sie eventuell darauf verweisen.

Der Lernstand

Schüler bringen Vorwissen mit. Das muss sich nicht unbedingt mit dem Vorwissen decken, das Ihre Schüler haben. Sind z. B. andere Lerninhalte durchgenommen worden, so nutzen Sie dies und lassen Sie den neuen Schüler kurz darüber berichten. So wird Wissen ausgetauscht, wiederholt zusammengeführt und erweitert. Stellen Sie das unterschiedliche Wissen jedoch als nicht relevant dar, fühlt der Schüler sich im Unterricht sofort ausgegrenzt.

Hilfe in den Pausen

Wer es einmal erlebt hat, weiß, dass es nicht besonders einfach ist, der Neue zu sein. Schön ist es, wenn man dann nicht in der Pause allein stehen muss, sondern gleich mit jemandem mitgehen kann. Es kann schon helfen, wenn Sie einem verlässlichen Schüler einen Hinweis geben oder ihn bitten, den neuen Schüler in der Schule herumzuführen und ihm alles zu zeigen

Klassenarbeiten

Kommt jemand nur wenige Tage vor einer Klassenarbeit, dann lassen Sie ihn mitschreiben, man kann aber ggf. die Arbeit vorerst unbewertet lassen. So bekommen Lehrer, Schüler und Eltern einen Überblick davon, was der Schüler kann und was nicht. Schwächen und auch Stärken werden so schnell deutlich, ebenso auch die Bereiche, in denen Stoff nachgeholt werden muss. Suchen Sie das Gespräch, um die Bereiche zu finden, in denen Hilfe benötigt wird. Vielleicht können Sie auch gleich Nachhilfe von anderen (älteren) Schülern vermitteln.

Eingliederung

Besonders wichtig ist jedoch eine Eingliederung des Schülers, denn nur in einer Umgebung, in der man sich wohlfühlt, kann man gut lernen, arbeiten und zeigen, was man kann.

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Die Mutter von sechs Kindern ist außerdem als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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