Unterricht

Himmel hilf! Schulangst – was Sie tun können

Jeder fünfte Schüler in Deutschland soll unter Schulangst leiden. Ängste belasten das Lebensgefühl der betroffenen Schüler. Sie fürchten sich im Unterricht, ziehen sich von anderen zurück, werden unsicher, fühlen sich belastet, gelähmt und sogar richtig krank. Angst bewirkt körperliche Reaktionen wie Herzklopfen, Übelkeit oder Schweißausbrüche. Die Gedanken werden durch Versagensängste und ungenügende Konzentrationsfähigkeit bestimmt. Rückzug und Schulverweigerung kennzeichnen das Verhalten.
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Es gibt einiges, das jeder von uns tun kann, um Ängste in der Schule zu verringern oder erst gar nicht entstehen zu lassen. Immer ist eine konstruktive Zusammenarbeit mit Eltern, dem Kind und ggf. einem Therapeuten wünschenswert. Dass häufig Eltern der Hauptfaktor bei der Entstehung von Schulängsten sind und oft ihre Ängste auf das Kind übertragen, lässt die Notwendigkeit der Kooperation im Sinne einer Erziehungspartnerschaft deutlich werden.

Schulangst liegt vor, wenn ein Kind diese Angst nicht selbst überwinden kann und der Zwang, die Schule zu besuchen, psychische Reaktionen auslöst. Das Kind zeigt:

  • Angst vor Leistungsüberprüfungen
  • Sorgen im Umgang mit Mitschülern und Lehrern
  • Selbstunsicherheit
  • soziale Ängste wie Verlegenheit, Scham oder Schüchternheit
Mögliche Ursachen
  • Überforderung
  • Gewalt auf dem Schulweg oder in der Schule
  • schlechtes Klassen- oder Schulklima
Was können Sie tun?
  • bei Leistungsüberforderung im Primarbereich gezielte Fördermaßnahmen einsetzen
  • Leistungsanforderungen dem Leistungsniveau der Schülerinnen und Schüler anpassen
  • Schülern zum Erfolg verhelfen, denn Erfolgserlebnisse stärken das Selbstbewusstsein
  • häufiger kleine Lernzielkontrollen einsetzen als große
  • Methoden zum Sozialen Lernen trainieren
  • Sozialkompetenz fördern Kinder vor seelisch verletzendem Verhalten schützen

So erkennen Sie Prüfungsangst

Ursache für die akute Angst ist nicht die eigentliche Prüfungssituation, sondern die gedankliche Vorausbewertung der Prüfung bzw. des Misserfolgs. Das Kind zeigt:

  • körperliche Merkmale wie Bauchschmerzen, Zittern, Schweißausbrüche
  • Verzweiflung, bedrückte Stimmung
  • Tendenzen zur gespielten Anstrengungsvermeidung
Mögliche Ursachen
  • Dem Schüler sind die Inhalte der Arbeit nicht bekannt.
  • Er ist nicht richtig über den Termin der Klassenarbeit informiert.
  • zu hohes Gewicht bei summativen Lernkontrollen, besser häufige Kurztests
  • Angst vor Blamage bei Mitschülern
  • generelle Überforderung des Schülers
  • schlechte Lerntechniken
  • zu hohe Erwartungen der Eltern
Was können Sie tun?
  • Vergleichen Sie die Leistungen des Schülers in den einzelnen Fächern/„Schulleistungsdiagnostik“.
  • Erstellen von Lernplänen und Überprüfung der Lerntechnik
  • gelegentlich einen unzensierten Vortest schalten
  • nach den Reaktionen der Eltern fragen
  • bei Überprüfungen das Kind gezielt instruieren, mit den leichten Aufgabe zu beginnen
  • Schüler zum „Durchatmen“ veranlassen, ihn beruhigen und ermuntern

Fazit

Es hilft, wenn Sie

  • den Schülern ein Vorbild sein können – durch Wahrhaftigkeit, Rücksichtnahme, Besonnenheit und Gerechtigkeit.
  • sich bemühen, die Befindlichkeit ihrer Schüler wahrzunehmen.
  • achtsam sind und Kinder vor seelisch verletzendem Verhalten schützen.
  • viel Zeit für „Soziales Lernen“ einplanen und Feedback-Methoden einsetzen.
  • gemeinsame Regeln mit der Klasse vereinbaren.
  • die Schüler den Unterricht mitgestalten lassen.
  • Leistungsüberprüfungen „sozial verträglich“ gestalten. aktiv zuhören. unterschiedliche Anforderungen an unterschiedliche Kinder stellen.
  • die Langsamkeit entdecken und Kinder ermutigen.

Wichtig: Überschätzen Sie nicht Ihre Möglichkeiten, denn Lehrkräfte sind keine Therapeuten. Informieren Sie ggf. Ihre Schulleitung und raten Sie Eltern, wenn sich das Leiden ihres Kindes nicht mindert, Hilfe bei Fachleuten zu suchen, damit Angst nicht in Depression umschlägt. 

Günther Hoppe verfügt über langjährige Erfahrungen als Lehrer, Schulleiter und Regierungsschuldirektor. Während seiner Dienstzeit lagen seine Arbeitsschwerpunkte vor allem in den Bereichen externe Evaluation, Qualitätssicherung und -entwicklung für Schulen. Zudem konnte Günther Hoppe zusätzliche Qualifikationen als EFQM-Assessor erwerben und war in der Qualifizierung neuer Schulleiterinnen und Schulleiter beschäftigt.

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