Unterricht

Spicken, mogeln, schummeln – beim Abschreiben erwischt!

Die Schüler in einer Klasse sitzen vertieft über ihren Tests. Es ist ganz leise im Klassenraum. Plötzlich sieht die Lehrerin, dass eine Schülerin immer wieder unruhig in ihre Federmappe schaut. Sie bitten die Schülerin, mit der Mappe und dem Test nach vorn zu kommen. Dabei stellt sich heraus, dass sie nicht nur einen Spickzettel hatte, sondern auch bei der Nachbarin abgeschaut hat. Wie soll man nun reagieren? Es gibt vielfältige Möglichkeiten, die von der Situation und der Zusammensetzung der Klasse abhängen.
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Die rechtliche Situation

Rein rechtlich sind Sie auf der sicheren Seite. Können Sie eine Täuschung einwandfrei nachweisen, z. B. durch das Entdecken eines Spickzettels oder dadurch, dass Ergebnisse mit denen des Nachbarn identisch sind, dürfen Sie diese Arbeit als ungenügende Leistung mit einer 6 bewerten. Auch wenn Schüler während einer Arbeit miteinander reden, ein Heft oder Buch aufschlagen, ist das ein ganz klarer Verstoß gegen die Regeln.

Die Frage ist nun, ob Sie wirklich gleich so reagieren müssen. Je nach Alter der Schüler muss unterschiedlich durchgegriffen werden. In der Sekundarstufe I wissen die Schüler ganz genau, was sie gemacht haben. Und in einem solchen Fall ist ein hartes Durchgreifen auch eine Maßnahme, die die Schüler verstehen können und müssen.

Reagieren, aber richtig

Bleiben Sie sich in jedem Fall selbst treu. „Schau nicht immer zu deinem Nachbarn! Beim nächsten Mal ist dein Heft weg!“, ist leicht gesagt. Wenn beim nächsten Mal das Heft dann aber nicht einkassiert wird, bewirkt dieser Satz eher das Gegenteil, denn die Schüler wissen nun, dass Sie nicht hart durchgreifen. In einem solchen Fall wäre es besser gewesen, nichts zu sagen.

Zwischen dem Nichtbeachten und dem Beurteilen einer Arbeit mit einer ungenügenden Zensur gibt es eine Menge Möglichkeiten. Sie können beispielsweise zwei verschiedene Arbeitsblätter erstellen. Ein Abschauen beim Nachbarn wird somit schwerer. Es reicht i. d. R. schon, die Aufgaben einfach ein wenig umzustellen, eine Zeichnung zu spiegeln oder ein paar Nummern zu vertauschen. So sind die Arbeiten trotzdem vergleichbar, aber ein Blick zum Nachbarn hat weniger Auswirkungen.

Setzen Sie Schüler, die Sie bei einem Blick ertappen, sofort auseinander. Erwischen Sie jemanden mit einem Zettel oder Notizen auf der Hand, können Sie auch einfach den Teil, auf den dies Einfluss hat, für ungültig erklären. So ist es dem Schüler ggf. trotzdem noch möglich, wenigstens eine ausreichende Zensur zu bekommen. 

Im Vorfeld aufklären

Wichtig ist jedoch auch, dass Sie im Vorfeld mit den Schülern einen solchen Betrugsfall besprechen. Erklären Sie ihnen, dass die Arbeit einen individuellen Leistungsnachweis darstellt, mit der Sie überprüfen, was jeder einzelne Schüler kann, vergleichbar mit dem Sport. Es ist möglich, einem Mitschüler eine bessere Lauftechnik zu zeigen, doch das Laufen muss letztendlich jeder selber bewerkstelligen. Im Gegenteil, wer versucht, jemandem zu helfen, wird selber langsamer.

Und jemand, der sich einen Spickzettel bereitlegt, der betrügt eigentlich die anderen, und das ist unfair. Und genau, wie man im Sport disqualifiziert wird, passiert das auch in der Schule.

Hilfreich ist, Ihre Schüler eine "Schummel"-Vereinbarung unterzeichnen zu lassen, in der festgelegt wird, was während einer Probe erlaubt bzw. nicht gestattet ist und was passiert, wenn diese Vereinbarung nicht eingehalten wird. Eine solche Vereinbarung finden Sie fertig ausgearbeitet zum kostenfreien Download oben rechts neben diesem Artikel.

Konsequenzen aufzeigen

Passen Sie auch gut auf, gerade die älteren Jahrgänge können sehr erfinderisch sein. Dünn mit Bleistift geschriebene Spickzettel unter ein durchsichtiges Lineal geklebt oder auch Hinweise auf einem Arm können da rasch übersehen werden.

Erklären Sie Ihren Schülern außerdem, welche Konsequenzen ein solches Verhalten nach sich zieht, vom Wiederholen der Arbeit, dem Nichtanerkennen einer einzelnen Aufgabe bis hin zur Benotung mit einer 6!

Fazit

Zeigen Sie Ihren Schülern, wie sie sich gut auf einen Test vorbereiten können, dann braucht niemand einen Spickzettel!

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Die Mutter von sechs Kindern ist außerdem als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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