Unterricht

Verliebte Schüler: Darauf müssen Sie als Lehrer achten

Junge Lehrer sind an Schulen oft Mangelware, daher ist es immer eine erfreuliche Abwechslung für die Schüler, wenn Referendare in die Klassen kommen. Endlich einmal jemand, der nicht so „verstaubt“ ist und der die Interessen der Schüler teilt. Manchmal reagieren Schüler aber auch zu erfreut, und gerade bei den etwas älteren kann es schnell passieren, dass sich die eine oder der andere gerade in einen Referendar/eine Referendarin verliebt.

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Rechtliche Grundlage

Ein Verhältnis mit einem unter 16-jährigen Schüler ist verboten. Aber unabhängig davon, ist ein Verhältnis mit einem Schüler grundsätzlich nicht erlaubt. Das kann für Sie als Lehrer schwere Konsequenzen haben.

Erste Anzeichen

Wenn Schüler bei Ihnen besonders gut mitarbeiten, ist das erst einmal eine tolle Sache. Wenn aber plötzlich Einzelne anfangen, sich regelrecht zu überschlagen, viel mehr zu tun als gefordert und Sie in Fachgespräche verwickeln, dann kann dies ein erstes Anzeichen dafür sein, dass sich jemand in Sie verliebt hat.

Weitere Anzeichen

Sobald die Gespräche sich nicht mehr auf das Fachliche beschränken, sondern auf private Ebene wechseln und mehr und mehr zu Einzelgesprächen werden, dann sollten Sie aufpassen. Genauso bedenklich ist es, wenn die Schüler anfangen, mit Ihnen per Internet zu kommunizieren, Freundschaften auf facebook anzufragen und private Nachrichten zu schicken. Dann ist langsam der Punkt erreicht, an dem Sie die Notbremse ziehen sollten.

Private Kontakte

Vermeiden Sie private Kontakte mit einzelnen Schülern. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Sie mit Ihren Schülern öffentliche Veranstaltungen besuchen oder auch mal mit ihnen ins Kino gehen, aber immer mit der ganzen Lerngruppe und nicht mit einzelnen Schülern.

Umarmungen zur Begrüßung oder Verabschiedung

Es wird auch bei uns in Deutschland immer üblicher, dass sich Freunde zur Begrüßung umarmen. Gerade viele Schülerinnen tun dies, sogar manchmal auch bei ihren Lehrern. Das ist eine klare Überschreitung einer Grenze, die Sie unbedingt unterbinden sollten. Vor allem männliche Lehrer können dadurch Probleme bekommen. Körperlichen Kontakt sollten Sie maximal auf Händeschütteln begrenzen.

Social Media

Es gibt keine grundsätzlichen Verhaltensregeln für den Umgang in sozialen Netzen. Überlegen Sie sich aber ganz genau, was Sie in einen öffentlichen Bereich stellen. Schüler sollten als Freunde so lange tabu sein, wie sie Ihre Schüler sind. Wenn Sie die positiven Aspekte nutzen möchten, dann können Sie eine Gruppe mit Ihren Schülern bilden und in dieser Gruppe Dinge posten, die zum Unterricht gehören – aber bitte nichts Privates!

Zufällige Treffen

Wenn es tatsächlich zu zufälligen Treffen kommt, dann sollten diese so kurz wie möglich gehalten werden. Bleiben Sie stets unverfänglich und gehen Sie auf keine Vorschläge bezüglich weiterer Treffen ein. Ein Zusammentreffen vor Ihrer Haustür ist im seltensten Fall wirklich zufällig. Reagieren Sie mit einem freundlichen, aber knappen Nicken, sagen Sie kurz „Hallo“, und beachten Sie den Schüler ansonsten nicht weiter.

Keine Einzelförderung

Unterlassen Sie grundsätzlich Einzelförderungen. Auch private Nachhilfe ist bei eigenen Schülern grundsätzlich tabu.

Aussprache

Für den Fall, dass Ihnen jemand seine Liebe gesteht, müssen Sie eine kurze und nette Aussprache herbeiführen. Verstecken Sie sich nicht hinter den Richtlinien, denn dann wird die Beziehung für die betreffende Person noch interessanter. Sagen Sie dem Schüler ganz konsequent, dass sie ihn zwar nett finden, aber kein Interesse an einer näheren Beziehung haben.

Und wenn doch ...

Sollten Sie tatsächlich Interesse an Ihrem Schüler haben, dann müssen Sie so lange warten, bis der Schüler die Schule verlassen hat oder Sie Ihr Referendariat beendet haben. 

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Die Mutter von sechs Kindern ist außerdem als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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