Unterricht halten

Wie verschaffe ich mir Respekt?

Ein Blick auf den Stundenplan, und Sie verspüren leichte Panik. Sie sollen in einer Klasse unterrichten, in der kaum jemand zuhört. Hausaufgaben werden selten gemacht. Ständig wird getuschelt und gelacht, und bei all dem wissen Sie nicht, was Sie sagen oder tun sollen, und machen dann im Affekt das Falsche, über das alle lachen – nur Sie nicht. Wie Sie dem begegnen können, lesen Sie in diesem Beitrag.
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Seien Sie beruhigt, das passiert nicht nur Ihnen. Auch Lehrer, die schon lange im Beruf sind, unterrichten Klassen, mit denen sie Probleme haben. Es gibt kein Patentrezept, aber ein paar hilfreiche Tipps.

Keine Unsicherheit zeigen

Egal, wie Sie sich fühlen, atmen Sie auf dem Gang noch einmal durch, und dann gehen Sie sicher in die Klasse hinein. Überlegen Sie sich genau, was Sie sagen wollen, und geben Sie dann eine Aufgabe, die die Schüler allein oder in der Gruppe bearbeiten. So können Sie ruhiger werden, bevor es weitergeht.

Kleidung

Natürlich darf sich jeder kleiden, wie er will. Eine zu schrille, zu modische oder auch zu lässige Kleidung kann aber Lästereien und Getuschel auslösen – das verkraftet gerade an den ersten Tagen nur jemand, der wirklich nervenstark ist.

Regeln festlegen

Wer unterrichtet, der legt die Regeln fest. Geben Sie am Anfang klar vor, welche Arbeitsmittel Sie grundsätzlich brauchen, und machen Sie auch unmissverständlich deutlich, wie mit Hausaufgaben umgegangen werden soll, z. B. wer sie nicht hat, muss sich zu Beginn der Stunde melden. Das gibt einen Strich, der halbiert werden kann, wenn die Aufgaben am nächsten Tag vorliegen. Bei drei Strichen werden die Eltern benachrichtigt. – Wenn Sie die Regeln zu Beginn strikt formulieren, ist es in der Folgezeit einfacher, sie ggf. zu lockern.

Ehrlichkeit und Fairness

Seien Sie bei allem, was Sie tun, ehrlich und fair, d. h., loben Sie Ihre Schüler, wenn sie Gutes geleistet haben. Wenn Sie gute Leistungen anerkennen, dann werden Ihnen Ihre Schüler auch Kritik nicht übel nehmen. Gleichzeitig müssen Sie aber auch Kritik einstecken können. Wenn Sie etwas nicht gut machen, etwas nicht wissen, dann lassen Sie zu, dass Ihre Schüler Ihnen dies auf eine ebenfalls faire Art sagen. Auch Sie machen Fehler – dies jedoch zuzugeben, erfordert mehr Ehrlichkeit Ihren Schülern gegenüber als Sie denken.

Humor

Es gibt viele Situationen in der Schule, die lustig sind. Einige werden Sie verursachen, andere werden durch Schüler provoziert. Seien Sie auch bereit, über sich selbst zu lachen – lachen Sie niemals Schüler aus, aber zeigen Sie auch dann Humor, wenn Schüler gute Witze machen.

Entschuldigungen

Diese sind wichtig – aber übertreiben Sie es nicht. Kommen Sie z. B. nach einer Konferenz in der Pause oder einem Gespräch zu spät zum nachfolgenden Unterricht, ist eine kurze Entschuldigung angebracht. Das reicht, aber lassen Sie sich auf keine Diskussionen ein.

Kompetenz

Seien Sie vorbereitet. Beherrschen Sie den Stoff, den Sie Ihren Schülern vermitteln wollen. Sie müssen wissen, worum es geht, wie die Aufgaben gelöst werden sollen, und informieren Sie sich. Beginnen Sie nie mit Experimenten, deren Ausgang Sie nicht vorhersehen können. Sie können Ihre Schüler nur dann begeistern, wenn Sie vom Thema begeistert sind. Es ist nicht schlimm, wenn ein Schüler mehr weiß als Sie. Es ist auch nicht schlimm, wenn Sie eine Frage nicht beantworten können – fehlen aber wichtige Grundlagen, dann nimmt Sie niemand ernst.

Bleiben Sie sich treu

Hinterfragen Sie nicht jede Ihrer Entscheidungen während der Stunden. Beginnen erst einmal die Diskussionen in den Stunden, dann kommen Sie zu gar nichts mehr.

Denken Sie daran, Sie sind Lehrer!

Es ist schön, wenn Sie ein gutes Verhältnis zu Ihren Schülern haben. Aber es sind nicht Ihre Freunde. Behalten Sie Abstand, lassen Sie sich nicht dazu hinreißen, die Distanz zu verlieren.

Vermeiden Sie folgende Sätze als Stolperfallen:

„Wenn du das noch einmal machst, dann ...“, ohne zu wissen, was dann passiert. Lassen Sie eine Störung aber nicht unkommentiert, gehen Sie am Ende der Stunde ggf. noch einmal darauf ein, z. B.: „Prima, dass ihr so gut gearbeitet habt! Dann können wir das vergessen!“ oder „Schade, dass wir wegen der Störungen nicht alles geschafft haben!“ Geben Sie die Aufgaben, die wegen der Unterbrechung nicht gelöst worden sind, als Hausaufgaben auf.

„Lasst uns das jetzt mal diskutieren!“ Dieser Satz ist eine ganz böse Falle. Natürlich sollen Schüler lernen, zu diskutieren, doch wenn es z. B. um Hausaufgaben, das Verschieben von Klassenarbeiten geht oder um die Halbjahreszensur, ist eine Diskussion nicht angebracht. Bitten Sie um Gespräche in der Pause oder nach dem Unterricht.

„Das ist jetzt nicht das Thema!“, bspw. wenn eine Frage kommt, die Sie nicht beantworten können. Sie können ohne Weiteres auch zugeben, dass Sie die Antwort momentan nicht wissen, und versprechen, sie nachzuliefern, was Sie dann aber auch tun müssen! Sie machen sich sonst unglaubwürdig.

„Macht das, wie ihr wollt!“, können Sie manchmal ruhig anbieten, doch wenn es Ihnen wichtig ist, dann sollten Sie darauf bestehen, dass es so gemacht wird, wie Sie es möchten.

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Die Mutter von sechs Kindern ist außerdem als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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