Unterricht

Eine Klasse für zwei – was Tandemarbeit mit sich bringt

An einigen Gesamtschulen, aber auch an anderen Schulformen ist es üblich, dass zwei Klassenlehrer sich die Leitung einer Lerngruppe teilen. Selbst die alltägliche Unterrichtsarbeit wird vermehrt im Tandem geleistet. Dies bringt Chancen für Sie als Lehrkraft, aber auch für Schüler sowie deren Eltern mit sich. Der folgende Beitrag zeigt diese auf und nennt Ihnen ebenso, worauf Sie bei der Arbeit im Tandem achten sollten.
Fotolia 48562226 XS 01 contrastwerkstatt - Fotolia

Arbeit zu zweit – welche Möglichkeiten gibt es hierfür in der Schule?

Wenn es der Stundenplan zulässt, wird an manchen Schulen im Tandem unterrichtet. Wie sich dies organisieren lässt, hängt von der Auffassung der unterrichtenden Lehrkräfte ab. Wollen sie sich in den einzelnen Unterrichtsphasen abwechseln und somit direkt ergänzen? Möchten sie sich lieber so aufteilen, dass eine Lehrkraft das Lenken des Unterrichtes übernimmt und die andere einzelne oder auch mehrere Schülerinnen und Schüler bei der eigenständigen Arbeit unterstützt? Soll es sich um Unterrichtsbeobachtungen handeln, sodass eine Lehrkraft im Unterricht hospitiert und die Gedanken hierzu notiert, um sie anschließend mit der anderen Lehrkraft kollegial zu besprechen und dann den weiteren Unterricht hierauf aufzubauen?

Der Vielfalt sind grundsätzlich keine Grenzen gesetzt – sollte sich aber nach der jeweiligen Bedarfslage der Schule, der Lehrkräfte sowie der Schüler richten.

Arbeit im Tandem – Aufgabenverteilung

Für welche Form der Tandemarbeit Sie sich auch entscheiden: Die Unterrichtsplanung sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Kollegen oder Ihrer Kollegin vornehmen. Eruieren Sie, welche Themen in der Klasse bereits vermittelt wurden und welche noch lehrplanmäßig erwartet werden. Sammeln Sie gemeinsam Materialien und werten Sie diese aus. Welche Teile des Unterrichts möchten Sie bzw. möchte Ihr Partner übernehmen? Welche Möglichkeiten hierfür gibt es – und wie sollen die Lernergebnisse überprüft werden?

Wenn Sie sich im Unterricht abwechseln, sollten Sie darauf achten, dass Sie die Übergänge, die mit einem Personenwechsel verbunden sind, für die Schüler möglichst angenehm und ohne größere Brüche gestalten. Es ist nicht gut, wenn eine Lehrperson besonders in den Vordergrund tritt und der anderen etwa ins Wort fällt bzw. gegenteilige Arbeitsaufträge erteilt. Um dieser Gefahr vorzubeugen, sollten Sie den Unterricht kleinteilig und wirklich Schritt für Schritt gemeinsam absprechen und aufteilen. Ganz deutlich muss für jeden Tandempartner sein, wann sie oder er welche Aufgabe innehat.

Vorteile für die Lehrkräfte

Die Arbeit im Tandem bedarf eines großen gegenseitigen Vertrauens und muss natürlich über einen gewissen Zeitraum hinweg praktiziert, also auch geübt werden. Reflektieren Sie nach den Stunden jeweils das Unterrichtsgeschehen. Was haben Sie als angenehm empfunden, was würden Sie ändern wollen? Wie kann das dann geschehen? Halten Sie diese Ergebnisse fest und versuchen Sie, diese in den kommenden Unterrichtsstunden umzusetzen.

Das gemeinsame Unterrichten kann auf die Dauer die einzelnen Lehrkräfte entlasten. Es ist stets ein Partner vorhanden, den man in die eigene Unterrichtsreflektion einbeziehen kann und auch sollte. Auch die Möglichkeit, differenziert zu arbeiten, weil einzelne Schülerinnen und Schüler einzeln betreut werden können, ist eine gute Chance für die Unterrichtsarbeit.

Vorteile für Schüler und Eltern

Arbeiten zwei Lehrkräfte in der Klasse gemeinsam, so hat dies auch Vorteile für die Schülerinnen und Schüler. Sie sind nicht nur auf eine Person angewiesen, die den Unterricht gestaltet, sondern sie haben stets eine zweite Lehrkraft als Ansprechpartner. Einzelne Schülerinnen und Schüler erhalten die Gelegenheit, individuell gefördert und gefordert zu werden.

Auch Eltern haben im Rahmen von Beratungs- und Elterngesprächen die Möglichkeit, auf zwei Ansprechpartner zurückzugreifen. Diese Beratung scheint weniger personenabhängig, sondern verspricht manchen Eltern einen objektiveren Blick auf das eigene Kind. Für eine professionelle Elternarbeit ist dies in manchen Situationen hilfreich.

Als Fazit bleibt: Schule, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern profitieren bei gut durchgeführter Tandemarbeit – Tag für Tag.

Alexandra von Plüskow ist Grund-, Haupt- und Realschullehrerin. Als solche sowie als Fachberaterin für das Fremdsprachenlernen in der Grundschule war sie an der Landesschulbehörde tätig. Derzeit arbeitet die zweifache Mutter als freie Fachjournalistin für verschiedene pädagogische Verlage sowie als Lehrbeauftragte.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: