Unterricht

Frontalunterricht – besser als sein Ruf

Denkt man an den sogenannten Frontalunterricht stellt sich schnell das Bild eines veralteten Unterrichts ein, der an den Schülerinnen und Schülern und deren Bedürfnissen vorbeigeht bzw. diesen keine Beachtung schenkt. Doch muss dies keineswegs so sein. Unter dem Decknamen des Frontalunterrichts sammeln sich heute verschiedene didaktische Vorgehensweisen, die nicht nur die Lehrkraft und ihren Vortrag in den Mittelpunkt der Stunde stellen.

Fotolia 35674082 XS © Robert Kneschke Robert Kneschke - Fotolia

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Frontalunterricht?

Frontalunterricht definiert sich primär dadurch, dass das unterrichtliche Geschehen von einer Person aus auf eine Gruppe hin ausgerichtet ist. Wo früher damit automatisch die Lehrkraft und deren Vortrag zum Zentrum wurde, kann sich hinter der Begrifflichkeit heute auch die einzelne Schülerin bzw. der einzelnde Schüler und deren bzw. dessen Aktivität verbergen. Aber auch Schülerreferate und Auswertungen von Gruppen- oder Partnerarbeiten werden oftmals in frontaler Organisationsform vorgetragen und ausgewertet. Eine weitere Form des Frontalunterrichts kann ein Unterrichtsgespräch unter Schülerinnen und Schülern sein, das auf die Tafel und das hier angebrachte Material hin ausgerichtet ist.

Frontalunterricht hat seinen Platz im Unterricht – aber keinen ausschließlichen!

Wie bei allen anderen Organisationsformen gilt es auch hier, nicht ausschließlich mit einer Art zu arbeiten. Wechseln Sie die Arbeitsformen ab und achten bei Ihrer Wahl zum einen auf Ihre Schülerinnen und Schüler, zum anderen aber auch auf die Unterrichtsinhalte. Unabhängig davon, welche Beteiligten Ihr Frontalunterricht nun zum Mittelpunkt macht – Sie, eine Schülerin, einen Schüler oder das gesamte Plenum – achten Sie darauf, dass die Phase nicht zu viel Zeit in Anspruch nimmt und die Konzentrationsdauer Ihrer Schülerinnen und Schüler nicht übersteigt. Vermeiden Sie zu lange Monologe und bieten Sie den Zuhörern abwechslungsreiche Andockstellen, an denen sie sich selbst einbringen können.

So gelingt erfolgreicher Frontalunterricht

Damit Frontalunterricht zielgerichtet und gewinnbringend eingesetzt werden kann, sind verschiedene Bedingungen und Regeln nötig, die alle Beteiligten zu beachten haben. Deren Einhaltung sollte konsequent und zu jedem Zeitpunkt eingefordert werden.

  • Jeder hört aufmerksam zu und stellt anderweitige Gespräche ein.
  • Jeder schaut nach vorne und zeigt der Sprecherin oder dem Sprecher damit, dass er sich auf ihn konzentriert.
  • Bei Verständnisschwierigkeiten darf jederzeit nachgefragt werden.
  • Bei Plenumsgesprächen lässt man den anderen aussprechen und bleibt bei der Sache.

Werden diese Regeln nicht eingehalten, ist es Aufgabe der Lehrkraft, dies zu thematisieren und die Schülerinnen und Schüler darauf aufmerksam zu machen. Nur so kann eine Atmosphäre geschaffen werden, in der jeder dem anderen zuhört und selbst Gehör findet. 

Das Für und Wider von Frontalunterricht

Wie jede andere Organisationsform hat auch der Frontalunterricht verschiedene Vorteile, aber auch Nachteile, die bei Ihrer Unterrichtsplanung Beachtung finden sollten.

Vorteile des Frontalunterrichts:

  • Frontalunterricht stellt eine effektive Arbeitsform dar.
  • Frontalunterricht ist zeitökonomisch.
  • Er ist in allen Jahrgangsstufen gut organisierbar.
  • Die Schülerinnen und Schüler sind die Arbeit im Frontalunterricht oftmals gewohnt, das heißt, es bedarf keiner langen Einführung.
  • In der Regel kann dabei in ruhiger und disziplinierter Atmosphäre gearbeitet werden. 
  • Die Lehrkraft hat (meistens) alle Schülerinnen und Schüler im Blick.
  • Die Lehrkraft kann den Unterrichtsverlauf optimal lenken.
  • Beim Unterrichtsgespräch werden kommunikative Fähigkeiten geschult.

Nachteile des Frontalunterrichts:

  • Frontalunterricht läuft oftmals sehr lehrerzentriert ab und ist auch sachlich abhängig von den Qualitäten der Lehrkraft als Vortragende bzw. Vortragendem.
  • Es fehlt der sozialerzieherische Effekt, wie er z. B. bei der Gruppenarbeit gegeben ist.
  • Bei der frontalen Vortragsform fehlt sehr oft die interaktive Komponente.
  • Die Progression läuft gleichschrittig ab, auf individuelle Bedürfnisse kann nur schwer Rücksicht genommen werden.
  • Die Schülerinnen und Schüler können – im Sinne eines handelnden Unterrichts – nur selten aktiv werden.

Die Organisationform des Frontalunterrichts birgt im Gegensatz zu ihrem unattraktiven Ruf sehr viele Vorzüge. Diese sprechen klar für eine Verwendung im Unterricht, doch darf Frontalunterricht nicht die einzige Organisationsform in einer Unterrichtsstunde bleiben. Anzuraten ist eine dem Thema und der Klasse entsprechende Abwechslung mit den verschiedenen anderen Sozialformen wie z. B. der Partnerarbeit oder dem Lernen an Stationen. JS

Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: