Unterricht

Lernen an Stationen

Lernen an Stationen bzw. Stationenarbeit ist eine sehr beliebte Organisationsform, die in jeder Alters- und Klassenstufe bzw. in vielen Fächern eingebaut werden kann. Doch was zeichnet diese Art zu arbeiten aus und worauf muss die Lehrkraft dabei achten?

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Was verbirgt sich hinter dem Begriff Lernen an Stationen?

Bei dieser Organisationsform arbeiten die Schülerinnen und Schüler an einer beliebigen Anzahl von Stationen, die an verschiedenen Orten im Klassenzimmer ausgelegt sind. Die Arbeitsaufträge der einzelnen Stationen stehen in einem thematischen Zusammenhang und werden möglichst selbstständig von den Schülerinnen und Schülern bearbeitet. Dabei steht es Ihnen in Ihrer Planung frei, ob die Lernenden die Stationen allein oder auch zusammen mit einem Partner bearbeiten. Die Reihenfolge der Bearbeitung ist in der Regel egal, denn die Arbeitsaufträge bauen nicht unbedingt aufeinander auf bzw. sind oftmals unabhängig voneinander.

Genaue Arbeitsaufträge und Laufzettel fördern die Selbstständigkeit

Die einzelnen Stationen sind in der Regel so aufgebaut, dass auf einem beiliegenden Stationenzettel der genaue Arbeitsauftrag formuliert ist und dass das dafür nötige Arbeitsmaterial bereitliegt. Für schwächere Schülerinnen und Schüler bietet es sich außerdem an, Hilfsmittel und –informationen zur Verfügung zu stellen, so dass jeder selbstständig arbeiten kann. Damit niemand den Überblick darüber verliert, welche Stationen schon erledigt und welche noch zu bearbeiten sind, werden sogenannte Laufzettel eingesetzt. Darauf können entweder die Schülerinnen und Schüler selbst oder die Lehrkraft die erledigten Arbeiten abhaken. Häufig besteht hier auch die Möglichkeit, durch ein Symbol anzugeben, ob die Aufgabe schwierig zu bearbeiten war oder leicht (Stichwort: Selbsteinschätzung). Anhand des Laufzettels kann sich die Lehrkraft ein Bild davon machen, wie schnell die einzelnen Schülerinnen und Schüler arbeiten bzw. wie diese die Aufgabenformate anhand der Schwierigkeitsskala beurteilen.

Individuelle Lernstände berücksichtigen

Um dem individuellen Leistungsvermögen der Schülerinnen und Schüler auch bei dieser Sozialform Rechnung zu tragen, bietet es sich an, die Stationen entsprechend ihres Schwierigkeitsgrades zu markieren oder auch innerhalb der Stationen mit differenziertem Material zu arbeiten. Eine andere Möglichkeit besteht darin, sogenannte „Pflicht“- und „Kür“- Stationen einzubauen, die die Schülerinnen und Schüler erledigen müssen bzw. können. Sehr wichtig ist auch,, dass bei dieser Arbeitsform die Lehrkraft insbesondere schwächeren Lernern Unterstützung bietet, ebenso wie leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler zu besonderen Aufgabenstellungen animieren sollte.

Selbstständiges Arbeiten unterstützen – auch bei der Kontrolle

Zur Kontrolle der Aufgaben bzw. Arbeitsblätter bietet sich beim Stationenlernen neben der Korrektur durch die Lehrkraft vor allem die Selbstkontrolle an. Diese Vorgehensweise fördert die Selbstständigkeit der Schülerinnen und Schüler und entlastet gleichermaßen die Lehrkraft. Diese sollte in jedem Fall aber trotzdem Stichproben machen und sich davon überzeugen, dass die Lernenden ihre Aufgaben nach der Berarbeitung auch genau kontrollieren.

Das Lernen lernen an Stationen

Stationenlernen ist kein Mittel zum Zweck. Die Schülerinnen und Schüler sollten die Arbeitsaufträge nicht einfach nur „abarbeiten“, sondern sich auch Gedanken über die Art machen, wie sie arbeiten und lernen. So gilt es, sie dazu anzuregen, über Lernstrategien und ihren Lernzuwachs nachzudenken. Mögliche Fragen, die auch schriftlich beantwortet werden könnten, wären beispielsweise:

  • Welche Station hat Dir am besten gefallen?
  • Welche ist Dir am leichtesten bzw. am schwersten gefallen?
  • Wie hast Du Dir bei Problemen geholfen?
  • An welchen Inhalten musst Du noch arbeiten?
  • Was hättest Du besser machen können?

Auf diese Art und Weise reflektieren die Schülerinnen und Schüler ihr eigenes Lernverhalten und eröffnen damit auch der Lehrkraft die Möglichkeit, die Lernenden besser kennenzulernen.

Das Für und Wider von Lernstationen

Wie jede andere Organisationsform hat auch das Lernen an Stationen verschiedene Vor- und Nachteile, deren die Sie sich bei der Unterrichtsplanung bewusst sein  sollten.

Vorteile der Lernstationen:

  • Die Schülerinnen und Schüler wählen selbstständig je nach Interesse und Leistungsvermögen die Reihenfolge der zu bearbeitenden Aufgaben aus.
  • Ein Thema kann von verschiedenen Seiten beleuchtet und untersucht werden.
  • Ganzheitliches Lernen mit allen Sinnen kann an verschiedenen Stationen umgesetzt werden.
  • Die Schülerinnen und Schüler sind aktiv und arbeiten in ihrem individuellen Tempo.
  • Anhand verschiedener Aufgaben können die Schülerinnen und Schüler in vielfältiger Weise die Lerninhalte üben.
  • Die Schülerinnen und Schüler können sich beim Wechsel zwischen den Stationen bewegen.
  • Die Selbstständigkeit der Schülerinnen und Schüler wird gefördert.
  • Stationen sind eine gute Möglichkeit zu einem (bekannten) Thema Kenntnisse zu vertiefen.

Nachteile der Lernstationen:

  • Die Arbeit an Stationen verlangt eine hohe Arbeitsdisziplin von den Schülerinnen und Schüler.
  • Die Organisation und Vorbereitung der Materialien für die Stationen verlangen in der Regel eine zeitintensive Vorbereitung durch die Lehrkraft.
  • Ausreichend große Räumlichkeiten stellen eine günstige Bedingung für gelingendes Stationenlernen dar – eine räumlich zu begrenzte Umgebung fördert Unruhe.
  • Schwache und leistungsunwillige Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, nur vor sich hinzuträumen und die Arbeitszeit nicht effektiv zu nutzen.

Fazit: Stationenlernen lohnt sich

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Lernen an Stationen eine gute Möglichkeit darstellt, Unterrichtsinhalte interessant aufzubereiten und den Schülerinnen und Schülern damit abwechslungsreiche Übungs- und Vertiefungsphasen zu eröffnen.  JS

Neben dem Lernen an Stationen bieten sich auch der Projektunterricht, die Lernwerkstatt oder auch Exkusionen als Methoden an, Inhalte außerhalb des starren Klassenverbandes zu vermitteln.

Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

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