Unterricht

Mit Gruppenarbeit im Unterricht soziale Kompetenzen verbessern

Eine bei Schülerinnen und Schülern wie Lehrkräften beliebte und oft eingesetzte Organisationsform ist die Gruppenarbeit. Doch worauf muss der Lehrende hier achten? Worin liegen bei dieser Form der Zusammenarbeit einerseits der Anspruch, andererseits der Ansporn für die Schülerinnen und Schüler?

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Was verbirgt sich hinter dem Begriff Gruppenarbeit?

Gruppenarbeit ist eine sehr weit verbreitete und weit bekannte Organisationsform. Dabei arbeiten die Schülerinnen und Schüler gruppenweise am Unterrichtsinhalt und müssen die ihnen gestellte Aufgabe gemeinsam lösen. Um dies zu bewerkstelligen, müssen sich die Lernenden erst „zusammenzuraufen“. Sie müssen die Aufgaben innerhalb ihrer Gruppe entsprechend den individuellen Leistungen und Interessen verteilen UND den an sie gestellten Ansprüchen seitens der Lehrkraft bzw. hinsichtlich des gesteckten Lernziels gerecht werden. Dementsprechend liegt dieser Sozialform ein sehr großer Anspruch zugrunde. Je besser die Schülerinnen und Schüler zusammenarbeiten, desto zielgerichteter ist der Weg zur Lösung der Aufgabe.

Wie viele Mitglieder eine Gruppe zählt, ist dem Ermessen der Lehrkraft überlassen und hängt zum einen vom Thema, zum anderen von der jeweiligen Klasse ab. Die Mindestzahl liegt allerdings bei drei Personen. Mit welchem Inhalt sich die Gruppen auseinandersetzen, entscheidet ebenfalls die Lehrkraft. Entweder alle Schülerinnen und Schüler befassen sich mit dem gleichen Arbeitsauftrag oder sie arbeiten an verschiedenen Aspekten eines gemeinsamen Themas.

Lernen, anderen Sichtweisen gegenüber offen zu sein

Wie auch bei der Partnerarbeit, liegt eine große Herausforderung für die Schülerinnen und Schüler darin, sich neben ihrem eigenen Blickwinkel auch mit dem anderer auseinanderzusetzen. Dabei können die Ansichten der Gruppenmitglieder natürlich konträr sein und nicht „zusammenpassen“. Je größer die Anzahl der Personen ist, desto schwieriger gestaltet sich eine zielorientierte und positive Zusammenarbeit. Jeder muss sich für einen Meinungsaustausch mit den Partnern öffnen und deren Meinung in der Diskussion zulassen.

Es geht aber nicht nur um ein Zulassen, sondern auch um eine Auseinandersetzung mit einer anderen Meinung: Wo liegen gemeinsame Ansatzpunkte? Worin sind wir uns einig? Wie sollen die Aufgaben aufgeteilt werden? Hier greift die mit dieser Organisationsform verbundene soziale Erziehung: Die Schülerinnen und Schüler müssen miteinander in einen fachlichen Diskurs treten und offen miteinander kommunizieren. Zeigen sich Verständnisschwierigkeiten, lösen die Gruppenmitglieder diese intern und nur im Notfall mithilfe der Lehrkraft.

Die Schülerinnen und Schüler setzen sich also nicht nur mit dem fachlichen Aspekt der Aufgabe auseinander, sondern auch mit den Gruppenmitgliedern und deren Weltsicht. Es geht darum, in einen Dialog zu treten und gemeinsam an einem Inhalt zu arbeiten bzw. sich bei Problemen gegenseitig zu helfen.

Auch Gruppenarbeit muss geübt werden

Voraussetzung für eine gelingende Gruppenarbeit ist, dass die Schülerinnen und Schüler bereits gelernt haben, mit einem Partner zusammenzuarbeiten. Auch die Gesprächsregeln müssen bei allen Beteiligten eingespielt sein und der Flüsterton, in dem gearbeitet wird, darf nicht nur eine bloße Floskel sein. Gruppenarbeit verlangt außerdem ein gewisses Maß an Organisation und ist nicht so variabel einsetzbar wie zum Beispiel die Partnerarbeit. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Schülerinnen und Schüler sich zunächst in ihrer Gruppe zusammenfinden müssen.

Erleichtern und beschleunigen können Sie die Umsetzung dieser Sozialform auf verschiedenen Wegen. Zum einen bietet es sich an, dass die Lernenden über einen gewissen Zeitraum immer in derselben Gruppenzusammensetzung arbeiten. So kennen sich alle Mitglieder im Laufe der Zeit, was ein zielgerichtetes Arbeiten erleichtert. Gibt es Probleme, können Sie in Ihrer Rolle als Organisator und Moderator einzelne Mitglieder auszutauschen, um eine ruhige und konzentrierte Atmosphäre zu schaffen.

Eine Möglichkeit, die Zusammenfindung der Gruppen zu erleichtern ist, diese mithilfe eines Rituals einzuleiten. Auf ein Signal hin begeben sich die Mitglieder auf den Weg zu ihrem vorher festgelegten Arbeitsplatz. Wenn Sie keine Gruppentische im Klassenzimmer haben, bietet es sich an, dass sich die Schülerinnen und Schüler z. B. zum Tisch, der hinter ihnen steht, umdrehen und mit den dort sitzenden Lernenden zusammenarbeiten. Das Ende der Gruppenarbeit kann ebenfalls durch ein Zeichen erfolgen.

Wichtiger Abschluss: über die Gruppenarbeit reflektieren

Je öfter Sie die Sozialform der Gruppenarbeit in Ihren Unterricht einbauen, desto routinierter werden sich die Abläufe einspielen. Wichtig ist in jedem Fall, die Qualität der Zusammenarbeit anschließend gemeinsam zu reflektieren. Die Schülerinnen und Schüler sollen kurz über ihre Eindrücke berichten:

  • Wie hast du dich in deiner Gruppe gefühlt?
  • Kam jeder zu Wort?
  • Ward ihr der gleichen Meinung?
  • Traten Meinungsverschiedenheiten auf und wie wurden diese geklärt?
  • Habt ihr die Aufgaben gerecht verteilt?
  • Hat jeder zielgerichtet gearbeitet?
  • Hat jeder seinen Teil der Aufgabe erledigt?
  • Seid ihr zu einem Ergebnis gekommen?

Diese Phase muss nicht lange dauern. Lassen Sie ein paar Schülerinnen und Schüler erzählen und geben Sie Einzelnen dann selbst Rückmeldung, wie Sie deren Zusammenarbeit erlebt haben.

Raum für eine Präsentation der Arbeitsergebnisse schaffen

Im Anschluss daran gilt es, die Ergebnisse der Gruppenarbeit auszuwerten. Dies ist ein wichtiger Punkt, damit sich jede Gruppe in ihren Bemühungen wertgeschätzt fühlt. An dieser Stelle können Sie verschiedene Wege gehen:

  • Sie können ein Gespräch über die Erkenntnisse einleiten, im Zuge dessen sich jede Gruppe einbringen kann. Hier kann es natürlich zu fachlichen Diskussionen kommen.
  • Die Gruppen stellen ihre Ergebnisse jeweils vor und vergleichen sie dann mit denen der anderen.
  • Hatte jede Gruppe einen anderen Arbeitsaufrag, tragen sie ihre Ergebnisse einzeln vor, während die anderen gut zuhören und sich eventuell Notizen dazu machen.
  • Die Schülerinnen und Schüler halten ihre Ergebnisse individuell oder gruppenweise fest und kontrollieren sie anschließend gemeinsam.

Das Für und Wider von Gruppenarbeit

Wie jede andere Organisationsform hat auch die Gruppenarbeit verschiedene Vorteile, aber auch Nachteile, die bei Ihrer Unterrichtsplanung Beachtung finden sollten.

Vorteile der Gruppenarbeit:

  • Der soziale Lerneffekt, vor allem die Steigerung der Teamfähigkeit ist sehr groß.
  • Die Kommunikationsfähigkeit des Einzelnen wird gefördert.
  • Gruppenarbeit ist in vielen Unterrichtsphasen einsetzbar.
  • Mit etwas Routine ist auch hier eine unkomplizierte Umsetzung möglich.
  • Gruppenarbeit bietet Abwechslung zum alltäglichen Unterricht.
  • Gruppenarbeit bietet gute Möglichkeiten, die Schülerinnen und Schüler zum gegenseitigen Unterstützen beim Lernen und Arbeiten anzuregen.

Nachteile der Gruppenarbeit:

  • Erschwerte Kontrolle der zielgerichteten Arbeit aller an der Aufgabe
  • Sicherstellung der gleichmäßigen Arbeitsverteilung auf alle Gruppenmitglieder
  • Erschwerte Binnendifferenzierung
  • Gruppenarbeit bringt oftmals Unruhe ins Klassenzimmer.
  • Gruppenarbeit kann auch zum Streit und zu persönlichen Problemen untereinander führen.
  • Selbständigkeit und Disziplin ist Grundvoraussetzung und stellt einen hohen Anspruch an die Schüler dar.

Schritt für Schritt zur erfolgreichen Gruppenarbeit

Führen Sie die Gruppenarbeit nicht zu schnell ein. Schülerinnen und Schüler gemeinsam an einen Tisch zu setzen bedeutet nicht, dass diese erfolgreich in der Gruppe arbeiten können/werden. Halten Sie einen guten Verlauf der Gruppenarbeit nicht für selbstverständlich. Je nachdem, wie die Aufgabenstellung formuliert ist oder sich die Gruppe zusammensetzt, besteht die Möglichkeit, dass Ihre Schülerinnen und Schüler durch diese offene Organisationsform überfordert sind. Gruppenarbeit „einfach mal so“ führt selten zum Erfolg – nehmen Sie sich im Vorfeld immer ausreichend Zeit, die Gruppenarbeit gut zu planen, damit sie erfolgreich verlaufen kann.

Sind die Lernenden in der Lage, ruhig und konzentriert in Einzelarbeit zu arbeiten, führen Sie sie an die Partnerarbeit heran. Erst wenn Partnerarbeit gelingt, sollten Sie Ihre Schülerinnen und Schüler mit einer überschaubaren Gruppenarbeit konfrontieren. Achten Sie darauf, dass die Gruppenarbeit sinnvoll ist, d. h. dass ein Austausch untereinander wichtig ist, um zum Ergebnis zu kommen. Nur wenn die Schülerinnen und Schüler erfahren, dass sie von dieser Arbeitsform profitieren können (und das heißt nicht, weniger arbeiten!), werden sie diese Sozialform erfolgreich einsetzen können. JS

Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

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