Unterricht

Organisationsformen und Rituale für einen erfolgreichen Unterricht in der Sekundarstufe I

Ob Schülerinnen und Schüler über einen längeren Zeitraum engagiert und aufmerksam an einem Thema arbeiten und sich auf eine Auseinandersetzung damit einlassen, hängt nicht nur vom jeweiligen Inhalt, sondern auch vom didaktischen Aufbau der Unterrichtsstunde ab. Dazu gehört eine gezielte und sinnvoll auf das Thema abgestimmte Auswahl der eingebauten Organisationsformen. 
Fotolia 25929248 XS Christian Schwier Christian Schwier - Fotolia

Nehmen Sie sich Ihren pädagogischen Freiraum und probieren Sie aus

Egal, in welcher Sozialform Sie das Lernen in Ihrem Unterricht organisieren, Ziel ist stets, dass die Schülerinnen und Schüler störungsfrei und konzentriert arbeiten können. So enthalten viele Organisationsformen begrifflich gesehen schon dieses zentrale Wort Arbeit, wie die Einzelarbeit, die Partnerarbeit oder die Gruppenarbeit. Welche Form sich für welche Unterrichtsphase, für welchen Inhalt und für welche Klasse besonders eignet, muss von Fall zu Fall durchdacht und entschieden werden. Dafür sind Sie der pädagogische und didaktische Experte. Für den Einsatz der geeigneten Organisationsform ist aber oftmals auch eine gewisse Berufserfahrung von Vorteil – probieren Sie deshalb gerade am Anfang Ihrer Laufbahn viel aus und ändern Sie Ihre Auswahl bei auftretenden Problemen entsprechend ab. Die Tücken neuer Unterrichtsmethoden zeigen sich oft erst bei der Realisierung im Unterricht.

Organisationsformen müssen geübt werden – von den Lernenden UND den Lehrkräften

Eine effektive Integration unterschiedlicher Organisationsformen in den Unterricht ist mit einem Lernprozess für Lehrer und Schüler verbunden. Grundvoraussetzung für jede Art der Zusammenarbeit ist, dass die Schülerinnen und Schüler grundsätzlich gelernt haben, wie sie mit Erfolg lernen und arbeiten. Kann sich jeder Einzelne auf einen Inhalt einlassen und konzentriert arbeiten? Erst wenn dies möglich ist, kann es gelingen, sich mit einer weiteren Person und deren Ansichten auseinanderzusetzen. Lassen Sie sich deshalb Zeit und führen Sie die entsprechende Organisationsform Schritt für Schritt ein. Gerade in den unteren Klassen beginnen Sie am besten mit weniger komplexen Formen sozialen Lernens. Beispiel: Erst wenn eine konstruktive, effektive Partnerarbeit möglich ist, sind die Schüler „reif“ für Gruppenarbeit.

Alternativen zu lehrerzentriertem Unterricht beanspruchen in der Regel mehr Zeit und eine gründliche Vorbereitung der drei Phasen

  1. Einstieg/Vorbereitung
  2. Arbeit am Thema
  3. Auswertung und Präsentation der Ergebnisse

Planen Sie jeden Arbeitsschritt sorgfältig, geben Sie klare Arbeitsaufträge und genaue zeitliche Vorgaben. Damit steht und fällt der Unterrichtserfolg.

Arbeiten Sie beim Einsatz der einzelnen Arbeitsformen mit Ritualen

Um die verschiedenen Sozialformen unkompliziert und gewinnbringend einsetzen zu können, bietet es sich an, bestimmte Abläufe zu ritualisieren. Natürlich hängt der Sinn so manchen Rituals von der entsprechenden Sozialform ab, doch gibt es auch hier einige grundlegende Möglichkeiten, um alle Beteiligten bei zielorientiertem Arbeiten und Lernen zu unterstützen.

  • Bieten Sie in den unteren Klassen Visualisierungshilfen an, zum Beispiel Bildkarten, die den Lernenden die entsprechende Arbeitsform veranschaulichen. Damit erzielen Sie einen Wiedererkennungseffekt, wenn Sie Unterrichtsformen erneut einsetzen. Ihre Schülerinnen und Schüler wissen dann sofort, wie sie sich im Folgenden organisieren sollen.
  • Grenzen Sie den Wechsel von lehrerzentriertem Unterricht zu einer anderen Organisationsform deutlich ab: Bevor Sie beginnen, klären Sie im Plenum die organisatorischen und inhaltlichen Rahmenbedingungen. Erst auf Ihr Signal hin begeben sich die Schülerinnen und Schüler in die jeweilige Arbeitszusammensetzung.
  • Üben Sie den Wechsel der Sozialformen immer wieder, so dass alles leise und routiniert abläuft. So sparen Sie Zeit und vermeiden Unruhe.
  • Melden Sie den Schülerinnen und Schülern unmittelbar zurück, wenn die Lautstärke zu hoch wird. Nur so lernen sie, ihren Lautstärkepegel so niedrig zu halten, dass konzentriertes Arbeiten im Klassenzimmer möglich ist.
  • Heben Sie gut arbeitende Teams hervor und loben Sie die Schülerinnen und Schüler. Das spornt auch die anderen Teams zu höherer Leistung an.
  • Besprechen Sie gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern, wie die Zusammenarbeit geklappt hat. Geben Sie Tipps, wie sich die Kooperation optimieren lässt.

In der Einführungsphase einer Sozialform gilt es in jedem Fall, genügend Geduld zu beweisen und Abläufe immer wieder zu üben und anschließend zu reflektieren. Nur durch eine konsequente Umsetzung der Arbeitsformen kann zielorientiertes Arbeiten angebahnt werden.

Wählen Sie sich die passende Organisationsform aus

Welche Sozialform Sie in der jeweiligen Unterrichtsstunde verwenden, kann von verschiedenen Faktoren abhängen.

  • Alter der Schülerinnen und Schüler
  • Vorerfahrungen der Schülerinnen und Schüler
  • Grad der Selbstständigkeit der Schülerinnen und Schüler
  • Disziplin in der Klasse
  • Thema der Unterrichtsstunde
  • Verfügbarkeit der Arbeitsmaterialien

Im Folgenden ist eine Auswahl an Organisationsformen aufgeführt, über die Sie sich bei Interesse näher informieren können. Die aufgeführte Reihenfolge hat nichts mit deren Bedeutsamkeit für den Unterricht zu tun und beinhaltet keinerlei Wertung.

Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: