Unterricht

Projektorientierter Unterricht

Das allgemeine Interesse an projektorientiertem Unterricht ist ungebrochen, u. a. weil sich bei der Integration von größeren und kleineren Projekten in den Unterricht für die Schüler viele Möglichkeiten der Mitbestimmung, der sachbezogenen Kommunikation und sowohl des Wissens- als auch des Kompetenzerwerbs ergeben. Auch die umfassende Handlungs- und Prozessorientierung von Projekten sprechen für den regelmäßigen Einbezug von Projekten in den Unterricht.
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Geschichte des projekt(orientierten) Unterrichts

Der projektorientierte Unterricht geht zurück auf William H. Kilpatrick und seinen Schüler und Nachfolger John Dewey, die um die Jahrhundertwende die „Projektmethode“ propagierten. Der Unterricht begann, sich dem Leben außerhalb der Schule zu öffnen, fächerübergreifendes Arbeiten stand im Vordergrund.

In den 1970er- und 1980er-Jahren griff man darauf zurück und integrierte wesentliche Merkmale der Projektidee in den Unterricht. Der projektorientierte Unterricht kann als Zwischenform zwischen dem reinen Fachunterricht und dem grundsätzlich fächerübergreifenden Projektunterricht charakterisiert werden.

Gründe für projektorientierten Unterricht

Durch projektorientierten Unterricht sollen die Schülerinnen und Schüler an praktische, soziale und lebensnahe Arbeit, an komplexen Fragestellungen, Aufgaben und Probleme herangeführt werden. Im Unterricht erworbene Wissens- und Handlungsstrukturen werden in einem Projekt zusammengeführt.

Die Schülerinnen und Schüler sind dabei eigenverantwortlich tätig.

Charakteristika des projektorientierten Unterrichts

  • Das Thema des Projekts, das im Interessenbereich der Schülerinnen und Schüler liegt, wird von ihnen selbst gewählt oder mitbestimmt.
  • Die Aufgabenstellung ist komplex; häufig handelt es sich um eine Problemstellung, die Wissen oder die Zuarbeit aus anderen Fächer erfordert.
  • Die Realisierung des Projekts erfordert einen längeren Zeitraum.
  • Am Ende des Projekts steht ein Produkt, das auch Dritten präsentiert werden kann.
  • Die Schülerinnen und Schüler arbeiten kooperativ und eigenverantwortlich im Team.
  • Wissens-, Handlungs- und Verhaltensstrukturen werden miteinander verknüpft.
  • Häufig werden auch Exkursionen durchgeführt, da über die Schule als Lernort hinausgegriffen wird.
  • Der Lehrer fungiert als Berater.

Phasen eines Projekts

Für die gelungene Durchführung eines Projekts müssen folgende Phasen durchlaufen werden:

1. Einführung/Definition

Die Schülerinnen und Schüler wählen eine Idee, eine Aufgabe, eine Problemstellung aus, an der gearbeitet werden soll. Hier müssen Sie unbedingt darauf achten, dass Ziel und Endprodukt klar definiert werden und allen verständlich sind.

2. Planung

In der Planungsphase planen die Schülerinnen und Schüler die Schritte zur Durchführung des Projekts. Die einzelnen Tätigkeiten werden beschlossen, die Verantwortlichkeiten festgelegt und der zeitliche Ablauf wird geplant.

Halten Sie hier die Schülerinnen und Schüler dazu an, Meilensteine zu definieren.

3. Durchführung

Die Teams beschäftigen sich handlungsorientiert mit der Problemstellung des Projekts. Die Erreichung der Meilensteine muss in dieser Phase regelmäßig überprüft werden. Die Lehrkraft ist als Berater jederzeit ansprechbar und unterstützt die Schülerinnen und Schüler.

4. Reflexion

In der Regel wird das fertige Projektprodukt präsentiert und der Ablauf des Projekts in der Gesamtgruppe reflektiert.

Bewertung

Wie im regulären Unterricht sollte die Schülerleistung auch im projektorientierten Unterricht bewertet werden. Wichtig ist, dass bei der Bewertung der Arbeit an einem Projekt nicht nur das Ergebnis bewertet wird, sondern auch die prozessbezogene Arbeit sowie die individuelle Reflexion der Arbeit während des Projekts.

Achten Sie darauf, dass das von Ihnen gewählte Beurteilungsraster den vier Kompetenzbereichen Wissens-, Handlungs-, Lern- und Persönlichkeitskompetenz Rechnung trägt. Die Kriterien Ihrer Bewertung und Benotung sollten der Klasse transparent im Dialog dargelegt werden. Häufig ist es auch sinnvoll, zu Beginn der Projektarbeit die Beurteilungskriterien in einem Beurteilungsraster mit den Schülerinnen und Schülern gemeinsam zu erarbeiten.

Juliane Stubenrauch-Böhme, München, Gymnasiallehrerin für die Fächer Deutsch, Französisch und Spanisch; Referentin in der Lehrerfortbildung; derzeit abgeordnet an die Staatliche Prüfungsstelle für Übersetzer und Dolmetscher sowie pädagogische Mitarbeiterin für Deutsch und Fremdsprachen in der Abteilung Berufliche Schulen im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst

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