Unterricht

Dezibel im Plus – wenn die Klasse zu laut ist

„Wenn die Schüler Krach machen, werfe ich selber einen Tisch um, dann sind sie ganz schnell leise …“ Ob solche Ratschläge wirklich ernst gemeint sind oder zu immer wieder gern erzählten Mythen gehören, lässt sich nur schwer sagen. Aber wie du auf unspektakulärere Weise Ruhe in die Klasse bringst, erfährst du mit folgendem Beitrag.
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Die Schüler sollen zuhören, wenn der Lehrer redet, so die schöne Vorstellung in der Theorie. Die Realität sieht aber anders aus: Es herrscht auch in braven Klassen immer wieder Unruhe, es wird mit den Nachbarn getuschelt, die Wortbeiträge der Klassenkameraden werden kommentiert, und ehe man sichs versieht, wird es lauter und lauter. Jetzt dagegen anzuschreien, macht die Situation auch nicht besser. Es gilt: Lass dir das Heft nicht aus der Hand nehmen, du gibst den Ton an im Klassenzimmer.

Das heißt konkret: Sprich nicht in die Unruhe hinein, sondern warte, bis es wirklich leise ist. Damit du aber nicht den Großteil der Stunde damit verbringen musst, vor der Klasse auszuharren, bis auch der letzte Schüler seinen Mund hält, musst du klare Regeln einführen, die alle zu beachten haben.

Helfen kann dir z. B., den gestreckten Arm nach oben zu halten, ein Victory-Zeichen zu formen, einen Zeigefinger in die Luft zu strecken … Wende dieses Zeichen an, wenn der Lärmpegel, beispielsweise bei einer Gruppenarbeit, über ein bestimmtes Maß steigt. Du kannst dieses Zeichen auch einsetzen, wenn ein Lehrervortrag folgt, du eine wichtige Ansage machen musst oder die Schüler sich gegenseitig wieder zuhören sollen. Wichtig ist, dass du auf absolute Beachtung bestehst, d. h., dass du wirklich erst dann mit dem Unterricht fortfährst, wenn die Klasse leise ist.

Weitere Möglichkeiten sind ein Glöckchen, eine Klangschale, eine kleine Hupe oder andere akustische Signale.

Im Einsatz gleichen diese Hilfsmittel den oben vorgestellten Gesten, sie haben möglicherweise aber eine promptere Wirkung. Letztendlich kommt es auf deine Vorlieben, auf die Schüler und nicht zuletzt auf die zwischen euch getroffenen Vereinbarungen und Gewohnheiten an, mit welchen Signalen du die Ruhe in der Klasse einforderst.

Eine „Weisheit“ besagt, dass Unterrichtsstörungen und Unruhe oft vom Lehrer selbst ausgehen. Das bedeutet nicht, dass du durch Selbstgespräche deinen eigenen Unterricht störst, sondern dass du deine Stunde vielleicht strukturierter planen müsstest. Präsentiere die Arbeitsaufträge erst, wenn alle Schüler aufmerksam sind. Nimm hier auch die Tafel, den Beamer, die Dokumentenkamera etc. zu Hilfe. Investiere die Zeit, unaufmerksame Schüler zu ermahnen und aufzufordern, ruhig und konzentriert zuzuhören. Frag ggf. noch einmal nach, ob wirklich alles verstanden wurde, und gib einen zeitlichen Orientierungsrahmen vor. Wechsle Arbeitsformen und Aktionsformen und denke auch an Binnendifferenzierung.

Grundsätzlich gilt in disziplinschwachen Gruppen: Stelle leicht zu bewältigende Aufgaben, in kleine Einheiten unterteilt, die flott aufeinanderfolgen und ein möglichst direktes Feedback beinhalten.

Einen weiteren Tipp bietet das Thema „Verhaltensmodifikation“. Hier geht es darum, das Verhalten der Schüler im Hinblick auf ein gemeinsam definiertes Ziel mithilfe von positiven Verstärkern (Lob, Süßigkeiten, weniger Hausaufgabe, mehr Freiarbeit …) zu verändern. Auch bei dieser Methode gilt: Stelle klare, für alle geltende Regeln auf (z. B. „Wenn ich spreche, seid ihr ruhig.“, „Wenn jemand von euch etwas sagen oder fragen will, meldet er sich.“).

Achte auf kontinuierliche Einhaltung der Regeln. Denke aber auch daran, dass die Regeln zunächst eingeübt werden müssen, was mit ermahnen, aber auch ermuntern verbunden ist.

Vergiss bei aller Disziplin nicht, dass Unterricht ein dynamisches Miteinander ist, bei dem sich alle auch wohlfühlen müssen. Natürlich ist ein erträglicher Geräuschpegel unerlässlich, du als Lehrer musst das Sagen haben und gehört werden, ein Unterrichtsgespräch muss möglich sein. Konzentrierte Arbeitsphasen müssen ebenfalls in ruhiger Umgebung stattfinden. Dennoch gibt es in jeder Unterrichtsstunde Phasen, in denen sich die Schüler unterhalten dürfen oder sogar müssen, und solange sich niemand gestört fühlt, darf auch mal fröhlich gelacht werden – auch wenn man dann die Stecknadel einmal nicht fallen hört.

Die Autorin Patricia Mayer unterrichtet seit mehreren Jahren Deutsch und Geschichte. Sie war Mitarbeiterin an einem Forschungsprojekt über mittelalterliche Handschriften im Bereich „Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters“ an der Universität Augsburg.

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