Unterricht

Null Bock auf gar nichts – Schüler erfolgreich motivieren

Unterrichtsbeginn. Von 24 Kindern sind nur 13 da. Fünf kommen zu spät und stören beim Hereinkommen das Unterrichtsgespräch, das gerade begonnenen hat und schleppend verläuft. Mitmachen will eigentlich niemand. Stattdessen werden die Aufgaben durch demotivierende Äußerungen begleitet. Nicht nur die Schüler sehnen das Ende der Stunde herbei. Mit Schrecken denken Sie an den kommenden Unterrichtsbesuch und überlegen schon jetzt, wie Sie die Schülerinnen und Schüler vielleicht bestechen können. Dies ist jedoch nicht der richtige Ansatz und eigentlich wissen Sie das selbst – aber wie kann man motivieren, wenn es so verfahren scheint?
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Zunächst einmal ist es tatsächlich richtig, dass es immer besser ist, so früh wie möglich gegenzusteuern, um gar nicht erst in ein solches Motivationsloch zu geraten. Doch auch wenn es nun ein wenig mühseliger ist, können Sie mit ein paar kleine Tricks Ihre Schüler zur Mitarbeit anregen.

Nicht für die Schule lernen wir ...

Dieser Spruch ist jedem bekannt, doch sollten sich gerade Lehrer Folgendes bewusst machen: Wenn Schüler nicht für die Schule lernen sollen, sondern für das Leben, dann muss Unterricht so gestaltet sein, dass er nicht an der Lebenswirklichkeit der Schüler vorbeigeht.

Menschen ernst nehmen

Sie unterrichten Schülerinnen und Schüler und legen damit in einer wichtigen Phase des Lebens Grundlagen. Je mehr Ihre Schüler merken, dass Sie nicht nur an Ihrem Fach interessiert sind, sondern auch an ihnen selbst und Rücksicht auf sie nehmen, sie mit ihren Fähigkeiten, Fertigkeiten, Vorlieben und Abneigungen ernst nehmen, desto offener wird man Ihnen auch gegenübertreten.

Konsequent bleiben

Das ist eine der schwierigsten Aufgaben. Ein kleines Beispiel: Ihr Unterricht kann nicht pünktlich beginnen, weil einige Schüler das verhindert haben. Also müssen diese die anderen Schüler entlasten, bspw. durch Aufräumen der Klasse, Wegbringen von Büchern in der Pause oder Hochstellen der Stühle nach dem Unterricht. Oder: Wer keine Hausaufgaben hat, muss diese nachmachen, und falls das nicht passiert, muss es eine Regelung geben – z. B. das Fertigstellen in der Pause.

Unterrichtsstörungen behandeln

Störungen haben Ursachen. Gehen Sie diesen auf den Grund – nicht im Unterricht, aber danach. Liegen die Ursachen für die Störungen bei Ihnen, so müssen Sie Ihren Unterrichtsstil ändern. Vielleicht unterfordern Sie die Schüler, vielleicht überfordern Sie sie. Vielleicht ist auch Ihr Unterricht zu langweilig. Liegt die Störungsursache eher beim einem Schüler, dann reden Sie mit ihm.

Wozu lernen wir das eigentlich?

Machen Sie den Schülern von Anfang an klar, dass sie das Fach nicht isoliert lernen, sondern dass sie das Gelernte anwenden können. Das sollte jedoch nicht lehrerhaft herüberkommen. In jeder Stunde sollten die Schüler mindestens einen Aha-Effekt haben. Etwas, dass sie unbedingt jemandem mitteilen oder es noch einmal ausprobieren wollen.

Positive Bestärkung statt Demotivierung

Demotivieren Sie Ihre Schüler niemals. Belohnen Sie gutes Lernen, gutes Verhalten, besondere Geistesblitze, schöne Schrift und so weiter. Versuchen Sie, jeden Schülern mindestens einmal in der Woche positiv zu bestärken. Nicht laut, nicht vor der ganzen Klasse, sondern ehrlich und anerkennend.

Vorbereiten – Durchführen – Nachbereiten

Seien Sie fachlich gut vorbereitet. Aber haben Sie auch keine Angst vor Fragen, die Sie nicht beantworten können. Und seien Sie flexibel. Ein Artikel, der in einer Klasse gut ankommt, kann in der nächsten Klasse völlig untergehen. Und irgendwann ist der Unterrichtsstoff auch gar nicht mehr aktuell. Also ändern Sie ihn ab, wenn es notwendig wird. Und bereiten Sie den Unterricht nach. Was kann welcher Schüler und wo können Sie ihn noch besser unterstützen?

Methodenvielfalt

Ein Lehrer-Schüler-Gespräch, ein Arbeitsblatt, das in Einzelarbeit ausgefüllt wird, und ein folgendes Gespräch über die Richtigkeit der Lösungen ist leider keine Vielfalt. Das ist Frontalunterricht mit Arbeitsaufträgen. Lassen Sie Schüler ausprobieren, Fehler machen, aus den Fehlern neu lernen und sich gegenseitig die Ergebnisse präsentieren. Probieren Sie verschiedene Formen der Gruppenarbeit aus. Arbeiten Sie mit den Schülern in Projekten. Werden sie vom reinen Wissensvermittler zum Teil des Lernteams!

Humor

Das Leben ist ernst genug. Lachen Sie mit Ihren Schülerinnen und Schülern. Nutzen Sie die Möglichkeit, mit Ihnen Spaß zu haben, um danach wieder den Unterricht gemeinsam bestreiten zu können. 

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Frau Sander ist außerdem akademische Mitarbeiterin am Institut für Unterrichtsentwicklung an der Pädagogischen Hochschule. Die Mutter von sechs Kindern ist als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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