Unterricht

Smartphone in der Schule – Verbot oder Einsatz?

Grundsätzlich einmal ist der Einsatz von Handys, also auch Smartphones, im Unterricht verboten, weil diese Geräte gerne als Ablenkung im Unterricht genutzt, Kurznachrichten verschickt, Spiele gespielt, Fotos gemacht oder Filme gedreht werden. Das lenkt nicht nur ab, sondern greift teilweise so stark in die Privatsphäre anderer Schüler ein, dass es unterbunden werden muss. Die Fähigkeit, nahezu jederzeit auf das Internet zugreifen zu können, lässt es auf der anderen Seite für den Unterricht wieder interessant werden.
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Diese Argumente kennen Sie sicherlich, und das Handyverbot wird an Ihrer Schule wahrscheinlich auf die eine oder auch andere Art auch umgesetzt. Das ist normal und nachvollziehbar, und es ist eigentlich auch sinnvoll, aber ... es geht auch anders.

Werfen wir einmal einen Blick nach Dänemark. Hier geht man mit dem Thema komplett anders um. Die Schüler dürfen ihre Geräte eingeschaltet mit in den Unterricht nehmen, vorausgesetzt, dass niemand gestört oder belästigt wird und die Schüler ausschließlich draußen telefonieren. Eine Vorstellung, die sich mit unserem Verständnis von Unterricht gar nicht vereinbaren lässt. Die positive Folge: Die meisten Schüler unterbrechen nie ein Gespräch durch Telefonate. Auch Gespräche in öffentlichen Verkehrsmitteln werden dort nicht als so laut und störend wahrgenommen.

Das ist nun das andere Extrem. Doch es gibt auch einen Mittelweg, denn die Schulen haben die Möglichkeit, die Funktionen des Gerätes durchaus sinnvoll im Unterricht zu nutzen. Musste man früher oft nach funktionierenden Aufnahmegeräten suchen, so haben es die Schüler heute in der Tasche. Damit können sie z. B. vorlesen üben, indem sie den Text laut lesen und dabei aufnehmen – in welcher Sprache auch immer – und anschließend beim Abhören u. a. Aussprache oder Betonung kontrollieren. Ähnliches gilt auch für das Lernen von Vokabeln. Diese können so auch auditiv gelernt oder zur eigenen Abfrage genutzt werden.

Besonders in den Naturwissenschaften können z. B. die Handykameras zum Einsatz kommen, indem Experimente gefilmt und anschließend angeschaut werden können, ggf. langsam und im Detail. Es gibt auch die Möglichkeit, ein Mikroskop aus einem Handy zu bauen. Dazu gibt es hier eine Anleitung: www.iphone-ticker.de/iphone-mikroskop-56256/

Weiterhin können Vorträge oder kleine Vorführungen gefilmt werden, um den Akteuren nachher zu zeigen, wie sie wirken. Oft ist ihnen gar nicht bewusst, was sie mit ihren Händen machen, dass sie sich irgendwo festhalten und wie sie auf andere wirken.

Auch langsame Schreiber werden glücklich sein, wenn sie am Ende der Stunde den Tafelanschrieb einfach fotografieren dürfen, um ihn dann zu Haus vor Augen zu haben. Wirklich wichtige Informationen wie einen Hinweis auf Klassenarbeiten o. Ä. lassen sich in den Kalender des Smartphones eintragen, dann kann niemand sagen, dass er von diesem Hinweis keine Kenntnis gehabt hat.

Viele weitere Ideen, wie Sie das Handy im Unterricht einsetzen können, finden Sie auf der Seite www.medienberatung.nrw.de/Medienberatung/Medien-und-Schule/Leben-mit-Medien/Handys/ unter dem Punkt „Handy im Unterricht“.

Sie wecken so vielleicht das Interesse einzelner Schüler, wenn Sie diese Geräte im Unterricht einsetzen, zum anderen können Sie so auch die strikten Regelungen in den Schulen umgehen und den Schülern einen normaleren Umgang mit Handys und Smartphones vermitteln, denn in Ihrem Unterricht sind Messages und Telefonanrufe natürlich tabu. So wird gleichzeitig auch geübt, dass es unhöflich ist, mitten in einem Gespräch oder in einem Vortrag durch das Annehmen eines Anrufs gestören zu werden.

Wenn Sie vorhaben, die Schüler mit dem Handy arbeiten zu lassen, sollten Sie sich dazu unbedingt im Vorfeld von der Schulleitung grünes Licht geben lassen. 

Und stellen Sie den Schülern gegenüber ganz klar, dass Sie das Handy nur als Arbeitsmittel nutzen und dass Sie es ausschließlich zu diesen Zwecken einsetzen und nur dann nutzen dürfen, wenn Sie es erlauben. Im Anschluss daran müssen die Geräte wieder ausgeschaltet werden.

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Die Mutter von sechs Kindern ist außerdem als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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