Unterricht

Unterrichtsstörungen – ein bekanntes Problem

Jeder Lehrer kennt das Problem: Unterrichtsstörungen. Und nicht nur Berufsanfänger fragen sich: „Wie gehe ich mit schwierigen Schülern um?“ In den allermeisten Fällen gibt es eine Vielzahl an Handlungsmöglichkeiten, um wieder eine ruhige und konzentrierte Lernatmosphäre herzustellen.

Fotolia 54960228 XS copyright Dejan Jovanovic - Fotolia

Arten von Unterrichtsstörungen

Was als Unterrichtsstörungen angesehen wird, hängt stark von der subjektiven Empfindung der Lehrers und seiner Toleranzgrenze ab. Generell gilt all das als Unterrichtsstörung, was die Konzentration von Lehrkraft und Schülern vom Unterrichtsgegenstand abzieht: Nebengespräche, Nebentätigkeiten, Zwischenrufe, Geräusche, Arbeitsverweigerung, Grimassenschneiden, Vorsagen, Werfen von Papierkugeln o. Ä., hypermotorisches Verhalten etc.

Ursachen von Unterrichtsstörungen

Für Unterrichtsstörungen gibt es zahlreiche Ursachen, und in vielen Fällen kommen mehrere Faktoren zusammen. Man muss sich – besonders als Berufsanfänger – vor Augen halten, dass Störungen nie ganz zu verhindern sein werden.

Störungen von außen

Es gibt eine Reihe an Auslösern für Unterrichtsstörungen, die auch der beste Lehrer nicht ändern kann, wie beispielsweise Baulärm, kleine, enge Klassenzimmer, Feueralarm, sommerliche Hitze etc.

Störungen, die im Verhalten der Lehrkraft liegen

Etliche Störungen können auch durch das Verhalten der Lehrkraft ausgelöst werden, z. B. durch unklare Arbeitsanweisungen, zu lautes oder zu leises Sprechen, zu wenig Methodenwechsel, unsicheres Auftreten, mangelnde Beteiligung der Klasse, fehlende Differenzierungsmaßnahmen etc.

Störungen, die von den Schülerinnen und Schülern ausgehen

Ursachen für Störungen können auch in den einzelnen Schülerinnen und Schülern oder der Gruppenzusammensetzung begründet sein, wie Konzentrationsschwäche, mangelndes Interesse, familiäre Situation, aktueller Gesundheitszustand etc.

Präventive Maßnahmen

Minimieren Sie bereits im Vorfeld das Risiko auftretender Störungen.

  • Planen Sie Ihren Unterricht so, dass keine unnötigen Wartezeiten für die Schülerinnen und Schüler entstehen: Legen Sie das benötigte Arbeitsmaterial bereit, kontrollieren Sie die benötigten technischen Geräte vor Unterrichtsbeginn.
  • Wählen Sie einen interessanten Unterrichtseinstieg, um das Interesse und die Aufmerksamkeit der Klasse zu wecken.
  • Gestalten Sie Ihren Unterricht durch Methodenwechsel, verschiedene Arbeitsformen abwechslungsreich und aktivieren Sie möglichst die gesamte Klasse.
  • Stellen Sie sicher, dass den Schülerinnen und Schülern die Verhaltensregeln sowie die Konsequenzen bei einem Verstoß klar sind und fordern Sie konsequent die Einhaltung der Regeln und der ausgesprochenen Sanktionen.

Umgang mit Unterrichtsstörungen

Entscheidend im Umgang mit Störungen ist, dass Sie rechtzeitig reagieren und so verhindern, dass Konflikte eskalieren. Bleiben Sie ruhig und bestimmt in Ihrem Auftreten und handeln Sie, bevor Sie zu sehr gereizt sind. Hilfreich ist darüber hinaus, sich von Beginn des Referendariats an ein breites Repertoire an Reaktionen auf und Maßnahmen bei auftretenden Störungen anzueignen. Nicht jede Maßnahme passt zu Ihnen als Lehrerpersönlichkeit, und nicht alle Klassen reagieren gleich. Versuchen Sie immer, situationsangemessen zu handeln, sodass Sie nicht überzogen reagieren und auf keine Steigerungsmöglichkeiten mehr zurückgreifen können.

Einsatz non-verbaler Mittel

  • Herstellung von Blickkontakt
  • mimischer Ausdruck von Verärgerung
  • Bewegung auf die störende Schülerin/den störenden Schüler zu
  • Einsatz von Gesten, wie Zeigen auf das Schulbuch, Klopfen auf den Tisch

Einsatz verbaler Mittel

  • Sprechpausen bis wieder Ruhe eingekehrt ist
  • Stimmmodulation nutzen, d. h., deutlich lauter oder leiser sprechen
  • Aufrufen der störenden Schülerin/des störenden Schülers
  • deutliche Ermahnungen und Aufforderungen zur Mitarbeit oder zur Unterlassung des störenden Verhaltens

Einsatz von Erziehungsmaßnahmen, „Strafen“

  • zeitweiliges Wegnehmen von Gegenständen
  • Umsetzen
  • Zusatzarbeiten
  • Nacharbeit, sofern an der Schule üblich bzw. mit Schulleitung und Eltern abgesprochen
  • Ausschluss von der laufenden Unterrichtsstunde, sofern ein Trainingsraum vorhanden ist
  • Gespräch mit Schulleiter und/oder Eltern
  • Gespräche mit Kollegen
  • Kontaktaufnahme mit Schulpsychologen, Jugendamt, Sozialdienst oder Polizei

Einsatz von Ordnungsmaßnahmen

  • Verweis
  • verschärfter Verweis
  • Versetzung in Parallelklasse
  • zeitweiliger Ausschluss vom Unterricht
  • Zuweisung an eine andere Schule
  • Androhung der Entlassung und Entlassung von der Schule

Ordnungsmaßnahmen sollten nur in wenigen Ausnahmefällen genutzt werden. Insbesondere die letztgenannten sollten ausschließlich nach Ausschöpfung aller pädagogischen Mittel und Einbezug der Kollegen bzw. der Schulleitung im Rahmen der geltenden gesetzlichen Regelungen zum Einsatz kommen.

Juliane Stubenrauch-Böhme, München Gymnasiallehrerin für die Fächer Deutsch, Französisch und Spanisch; Referentin in der Lehrerfortbildung; derzeit abgeordnet an die Staatliche Prüfungsstelle für Übersetzer und Dolmetscher sowie pädagogische Mitarbeiterin für Deutsch und Fremdsprachen in der Abteilung Berufliche Schulen im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: