Unterricht

Wenn du das noch einmal machst, dann ...

Diesen Satz kennen Sie aus Ihrer eigenen Schulzeit und Sie wollten ihn selber nie verwenden. Aber genau in der Situation, in der Ihr Unterricht komplett in eine falsche Richtung läuft, weil eine Schülerin eine andere ärgert oder ein Schüler den Unterricht stört, hören Sie sich sagen: „Wenn du das noch einmal machst, dann ...“ Und in dem Moment fällt Ihnen ein, dass Sie eigentlich gar nicht wissen, was dann passieren soll. Oder schlimmer: Sie fordern eine Strafe ein, die Sie gar nicht umsetzen können und wollen.
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Informieren Sie sich

Fragen Sie im Kollegium nach, wie mit kleinen oder größeren Regelverstößen umgegangen wird und ob evtl. Besonderheiten in der Schule vorgegeben sind. Gibt es Regelungen für vergessene Hausaufgaben, wie wird mit Unterrichtsstörungen umgegangen, gibt es einen Trainingsraum, wie verhält es sich mit Klassenbucheinträgen, Tadeln, Rügen etc.?

Halten Sie sich an diese Vorgaben. Sie liefern Ihnen einen sicheren Rahmen, in dem Sie sich bewegen können.

Klare Ansagen

Stellen Sie Ihren Schülern gegenüber klar, was Sie von Ihnen erwarten und was die Schüler umgekehrt von Ihnen zu erwarten haben. Das ist abhängig vom Fach und muss ganz klar geregelt werden. Was tun Sie, wenn jemand seine Sachen nicht dabei hat, zu spät kommt, keine Hausaufgaben hat oder den Unterricht stört? Dabei muss zwischen einmaligen und mehrfachen Vorkommnissen unterschieden werden. Wägen Sie ab, was das jeweilige Verhalten für Auswirkungen auf den Unterricht hat – z. B. ist häufig vergessenes Sportzeug viel störender als ein vergessener Bleistift. Ein fehlender Taschenrechner hingegen kann den Unterricht nachhaltig beeinflussen. Ein einmaliges Zuspätkommen ist entschuldbar und macht eigentlich nicht viel. Dagegen sind ständige Störungen im Unterricht sehr unangenehm.

Setzen Sie fest, was passieren wird

Erklären Sie den Schülern, dass Sie Buch über alles führen, was geschieht. Dass Sie zwar über einmalige Vorkommnisse hinwegsehen, bei Häufungen jedoch mit Konsequenzen zu rechnen ist. Bedenken Sie aber auch, dass es Gründe haben kann, warum jemand häufig Dinge nicht dabei hat – fragen Sie in einem solchen Fall den Schüler in einem Einzelgespräch, woran das liegt. Häufig vergessene Sportsachen können z. B. darauf hindeuten, dass ein Schüler keinen Sport treiben mag oder öfter ausgelacht wurde. Material ist vielleicht deshalb nicht vorhanden, weil der Schüler es einfach nicht besitzt (häusliche Situation!), es verloren hat oder es ihm gestohlen wurde.

Folgen

Setzen Sie für sich Folgen fest. Wann und wie informieren Sie die Eltern? Denken Sie auch daran, dass dies nicht unbedingt zum gewünschten Erfolgt führt, denn manche Eltern sehen gewisse Vergehen in der Schule eher locker. Schüler vor die Tür zu schicken ist in manchen Bundesländern aus rechtlichen Gründen nicht gestattet, da die Aufsicht fehlt.

In den meisten Bundesländern müssen Stunden, die zusätzlich nach dem Unterricht durchgeführt werden sollen, den Eltern vorher schriftlich angekündigt werden. Es bleibt Ihnen also meistens gar kein großer Spielraum.

Auch Klassenbucheinträge, Tadel etc. haben nicht immer den gewünschten Erfolg. Bei Störung des Unterrichts ist es am besten, wenn die Schüler sofort eine Wirkung spüren.

Eine Möglichkeit besteht z. B. darin, den Schüler einen (besonders langen und langweiligen) Text abschreiben zu lassen. Auch Klassenregeln eignen sich sehr gut dafür. Das Abschreiben kann evtl. in einer anderen Klasse stattfinden – sprechen Sie sich mit Kollegen ab, damit Sie Schüler ggf. austauschen können.

Schüler, die etwas beschmutzen, sollten dies auch wieder reinigen. Beginnt jemand zu früh damit, einzupacken, kann er beispielsweise noch die Aufgabe übernehmen, die Tafel zu putzen oder Stühle hochzustellen.

Konsequent

Das Wichtigste aber ist: Bleiben Sie konsequent, d. h., kündigen Sie etwas an, so müssen Sie die Sache auch durchziehen. Drohen Sie nie mit etwas, das Sie sowieso nicht tun möchten. Damit machen Sie sich unglaubhaft, und Ihre Regeln werden nicht mehr ernst genommen. 

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Die Mutter von sechs Kindern ist außerdem als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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