Unterricht

Differenzierung im Alltagsunterricht

Nicht alle Kinder sind gleich – das wissen Pädagogen schon lange. Genau aus diesem Grund ist die pädagogische Diskussion um „Differenzierung“ seit einigen Jahrzehnten entfacht. In Zeiten einer inklusiven Schule ist Differenzierung gar nicht mehr wegzudenken. Doch – was heißt das für Sie als angehende Lehrkraft, wenn der Begriff nicht nur als reine Worthülse bestehen, sondern in Ihrem Alltagsunterricht zum Leben gebracht werden soll? Wie Sie Differenzierung ganz selbstverständlich Tag für Tag umsetzen können, möchte Ihnen der folgende Beitrag in Grundzügen näherbringen.
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Das soll Unterricht

Das Wort Differenzierung entstammt dem lateinischen Begriff differentia und heißt so viel wie „Unterschied, Verschiedenheit“. Guter Unterricht sollte sich im didaktischen Sinne also am einzelnen Schüler oder der einzelnen Schülerin orientieren, sprich, an deren Lern- und Leistungsvermögen, aber auch an ihren Neigungen und Interessen, er soll Lernfreude wecken und erhalten und individuelle Lernerfahrungen und Lernerfolge ermöglichen.

Eine schwierige Aufgabe, wenn man an die vielfältigen Anforderungen denkt, die auf Sie im Referendariat und später während Ihrer Dienstzeit als Lehrkraft zukommen.

Differenzierung im Unterricht

Wie können Sie einer Differenzierung im Unterricht also Rechnung tragen? Zunächst einmal: Gehen Sie kleine Schritte.

Kernstück einer Differenzierung im Alltagsunterricht ist eine möglichst genaue Kenntnis Ihrer Lerngruppe. Hierzu sollten Sie Rücksprache mit der Klassenlehrkraft und ggf. mit den Fachlehrerinnen und Fachlehrern halten. Welcher Schüler braucht welche Maßnahmen? Wie sieht es mit der Motivation in der Lerngruppe aus? Womit weckt man deren Interessen in besonderer Weise? Welche Methoden wurden bereits eingesetzt, welche sind geplant?

Planung von differenzierenden Maßnahmen

Grundsätzlich können Sie zahlreiche differenzierende Maßnahmen in Ihrem Alltagsunterricht einsetzen. So ist es einerseits möglich, quantitativ zu differenzieren – also hinsichtlich des Stoffumfangs. Planen Sie Arbeitsblätter oder Arbeitsaufträge mit unterschiedlichen Niveaustufen oder halten Sie Extra-Aufgaben für schnelle Lernerinnen und Lerner bereit.

Aber auch qualitativ können Sie differenzieren, etwa hinsichtlich der Aufgabenstellung oder in Form von Stationen.

Berücksichtigen Sie auch den Wechsel von Methoden in Ihrem Unterricht. Greifen Sie zunächst auf der Lerngruppe bekannte Methoden zurück – und erweitern Sie das Repertoire dann nach und nach in kleinen Etappen.

Womit können Sie das Interesse Ihrer Schülerinnen und Schüler besonders wecken? Gibt es innerhalb der Lerngruppe evtl. Experten, deren Wissen Sie zu bestimmten Lernthemen hinzuziehen können?

Eine weitere Form, die sich ohne größere Vorbereitung einsetzen lässt, ist die Arbeit in Lerngruppen. Versuchen Sie, diese heterogen zu gestalten, sodass alle Beteiligten einen Nutzen aus der Zusammenarbeit ziehen.

Vorbereitung

Die Vorbereitung differenzierten Unterrichtes ist sehr zeitaufwendig. Deshalb sollten Sie sich mit Kolleginnen und Kollegen oder auch mit Mitreferendarinnen und Mitreferendaren kurzschließen. Welche Materialien sind erprobt und können so oder in gering abgewandelter Form in Ihrer Lerngruppe angewendet werden? Ein solcher Austausch bringt nicht nur neue Impulse mit sich, sondern hilft Ihnen, Schritt für Schritt jedem Schüler und jeder Schülerin gerecht zu werden.

Nicht zuletzt sollte am Ende einer jeden Unterrichtsstunde, zumindest am Ende jeder Unterrichtseinheit, eine Reflexion Ihrerseits stehen. Was lief gut, was ist noch verbesserungswürdig? Welche Materialien oder Methoden möchten Sie gerne weiterhin einsetzen?

Ziehen Sie auch mit Ihren Schülerinnen und Schülern Resümee. Holen Sie sich deren Feedback etwa mithilfe von Portfoliobogen und beziehen Sie diese aktiv in die weitere Unterrichtsgestaltung ein.

Genau diese Einbindung ist es, was den Begriff „Differenzierung“ mit Leben füllt – Tag für Tag.

Alexandra von Plüskow ist Grundschullehrerin und Bildungskoordinatorin im Landkreis Heidekreis. Darüber hinaus arbeitet sie seit einigen Jahren als freie Fachjournalistin und als Lehrbeauftragte in der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung.

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