Unterricht

Fachfremd unterrichten

Sie haben Ihr Referendariat fast beendet – und werden in absehbarer Zeit in den Schuldienst gehen? Spätestens jetzt sollten Sie sich Gedanken darüber machen, in welchen Bereichen Sie auch bereit wären, „fachfremd“ zu unterrichten. Welche Aspekte Sie hierbei berücksichtigen sollten, zeigt der folgende Beitrag.
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Rechtliches

Ob und in welchem Umfang Sie nach Ihrem Referendariat fachfremd unterrichten müssen, wird in den Schulgesetzen geregelt, die für Ihr Bundesland gelten. In der Regel ist es allerdings verpflichtend, dass Sie auch in anderen Fächern unterrichten, als in Ihren Ausbildungsfächern. Dies orientiert sich an dem jeweiligen Bedarf an Ihrer Schule. Normalerweise werden Sie in Fächern eingesetzt werden, die Ihren Ausbildungsfächern nahe sind, oder in Fächern, in denen erwartet werden kann, dass Sie in diesen Unterricht erteilen können.

Grundsätzlich gilt aber auch: Die Schulleitung sollte Sie zunächst einmal fragen, ob Sie sich einen Einsatz in bestimmten Fächern vorstellen könnten.

Fachfremd unterrichten – Schritt für Schritt

Vor Dienstbeginn an einer neuen Schule ist es allerdings sinnvoll, sich Gedanken zu machen, welche Fächer Sie sich selbst „zutrauen“. Überlegen Sie genau, wo Ihre Neigungen liegen – und welche Fächer Sie gerne und mit Engagement übernehmen könnten.

Genauso wird es Fächer geben, die Sie nicht unterrichten möchten. Auch hierzu sollten Sie sich Gedanken machen.

Teilen Sie diese Ergebnisse Ihrer neuen Schulleitung mit und erfragen Sie, wo Bedarf an der Schule besteht. Überlegen Sie dann, wie Sie sich einbringen könnten.

Gute Einarbeitung

Nun bedarf es von Ihrer Seite einer gute Einarbeitung in die neuen Fächer. Ziehen Sie sowohl die fachlichen Standards wie die Bildungsstandards und die Lehrpläne Ihres Bundeslandes zurate. Fragen Sie die Fachkonferenzleitung an Ihrer Schule nach einem eventuellen schuleigenen Lehrplan und orientieren Sie sich an der aktuellen Fachliteratur sowie an Schulbüchern. Nach und nach entsteht ein Bild, wie Sie das noch fremde Fach unterrichten sollten.

Vielleicht gibt es auch die Möglichkeit, bei einer Fachlehrerin/einem Fachlehrer an Ihrer Schule zu hospitieren. Besuchen Sie deren oder dessen Unterricht und lassen Sie sich inspirieren. 

Nutzen Sie auch die Fortbildungsveranstaltungen in Ihrer Nähe. Es gibt einerseits Fortbildungen in Instituten – aber auch Verlage bieten häufig Fortbildungen an, in deren Rahmen Sie zahlreiche praktische Tipps und Tricks erfahren.

Positiv denken

Natürlich bringt das fachfremde Unterrichten unbestritten einiges an zusätzlicher Vorbereitung und Aufwand mit sich. Dennoch sollten Sie es positiv sehen, wenn Sie in Fächern eingesetzt werden, in denen Sie nicht ausgebildet wurden. Einerseits erweitern Sie so Ihr fachliches und didaktisch-methodisches Repertoire. Sie geraten in einen Dialog mit den jeweiligen Fachlehrerinnen und Fachlehrern und kommen so in die Lage, auch einmal über den Tellerrand hinauszusehen. Das Unterrichten in fremden Fächern ermöglicht es Ihnen, Ihr eigenes Wissen zu erweitern und eventuell sogar weitere Neigungen zu entdecken. Dies geht mit einer gehörigen Portion Abwechslung im Schulalltag einher.

Überlastung

Doch nicht immer wird das fachfremde Unterrichten als Bereicherung im ohnehin schon fordernden Unterrichtsalltag empfunden. Sprechen Sie dann mit Ihrer Schulleitung und versuchen Sie, Wege zu finden, wie Sie entlastet werden können.

Sagen Sie in diesem Gespräch ehrlich, was Sie anstrengt – und versuchen Sie, gemeinsam Möglichkeiten zu finden, ggf. in anderen Bereichen tätig werden zu können.

Zu einem Unterricht in den Fächern Religion und Sport dürfen Sie übrigens nicht verpflichtet werden.

Fachfremd zu unterrichten, ist nicht nur als Belastung zu sehen. Sie als Lehrkraft erhalten so die Chance, in Ihnen fremde Bereiche hineinzuschnuppern und so die eigenen Möglichkeiten zu erweitern. Sie kommen mit Kolleginnen und Kollegen anderer Fächer in Kontakt und arbeiten so zwangsläufig in einem größeren Team zusammen. Überlegen Sie also genau, wie und an welchen Stellen Sie sich an einer neuen Schule einbringen können.

Alexandra von Plüskow ist Grund-, Haupt- und Realschullehrerin. Als solche sowie als Fachberaterin für das Fremdsprachenlernen in der Grundschule war sie an der Landesschulbehörde tätig. Derzeit arbeitet die zweifache Mutter als freie Fachjournalistin für verschiedene pädagogische Verlage sowie als Lehrbeauftragte.

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