Unterricht

Interessante Hausaufgaben? Nur zu gerne – aber wie?

Interessante Hausaufgaben – das klingt erst einmal gut. Denn die werden von deinen Schülern sicher eher erledigt. Aber oft bleibt dir am Ende der Stunde nur noch, einfach den Rest aufzugeben, der auf der Seite steht. Das ist sicherlich einfach – aber interessant ist es sicher nicht und leider auch nicht sehr effektiv.
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Wenn du dich mit Hausaufgaben näher beschäftigen willst, solltst du wissen, wie viel Hausaufgaben für Schüler eigentlich angedacht sind. Das Schulministerium Niedersachsen meint dazu, dass Schüler in der 5. bis 7. Klasse ruhig ein wenig länger arbeiten dürfen, nämlich rund 60 Minuten, und von den Acht- bis Zehnt-Klässlern erwartet man eine zusätzliche Arbeit zu Haus von ca. 75 Minuten.

https://www.mk.niedersachsen.de/startseite/schule/unsere_schulen/allgemein_bildende_schulen/grundschule/hausaufgaben/hausaufgaben-150331.html

Das klingt erst einmal recht viel, doch darin sind nicht nur die reinen Hausaufgaben enthalten, sondern auch die Vor- und Nacharbeit, mündliche und schriftliche Aufgaben und eigenständiges Lernen. Wochenenden und Ferien sollen hausaufgabenfrei bleiben. Kommen dann aber noch Aufgaben in den Nebenfächern dazu, wird die Zeit knapp. Es ist daher notwendig, dass du dich mit Kollegen absprichst. Soll zum Beispiel in Deutsch ein Aufsatz geschrieben werden, so ist es zu viel, wenn gleichzeitig am nächsten Tag eine Mathearbeit ansteht.

Die Aufgaben sollen so gestellt sein, dass sie beim Wiederholen, Einüben und Vertiefen behilflich sind oder etwas Neues vorbereiten. Das klassische „Macht die Seite mal zu Ende“ passt nicht, auch wenn es auf den ersten Blick so zu sein scheint, denn

  • Kinder, die in der Schule schon schnell sind, werden zu Hause auch schnell sein. Für sie ist es höchstens eine Wiederholung – aber eine, die ziemlich langweilig ist.
  • Kinder, die in der Schule Probleme hatten, können die Probleme auch zu Hause nicht allein lösen und werden eine sehr lange Zeit damit verbringen. Hier wird leider nichts eingeübt und wiederholt, sondern schwerer Stoff zur Neubearbeitung mit nach Haus gegeben. Im besten Fall können die Eltern helfen. Im schlechtesten Fall wird gar nichts gemacht.
  • nur durchschnittliche Schüler, von denen man in der Klasse nicht viele hat, werden hier das richtige Maß finden.

Hausaufgaben sollen nicht in der Schule begonnen werden, und sie sollen differenziert gestellt sein. Daher:

  • nie nach dem Stundenende
  • verständlich formuliert
  • visuell darstellen und erklären
  • Zeit für Fragen einplanen

Starke Schüler müssen Transferleistungen erbringen. Zum Beispiel dürfen sie, wenn es darum geht, Satzglieder zu unterstreichen, aus einem Buch passende heraussuchen und eigene Sätze bilden, in denen diese Satzglieder vorkommen. Dem durchschnittlichen Schüler gibst du die Aufgabe, mehrere Satzglieder zu unterstreichen und dazu Beispiele zu finden. Schwachen Schüler fällt es schwer, Satzglieder überhaupt zu erkennen. Sie bekommen besonders leichte Aufgaben, bei denen schon etwas unterstrichen ist, Signalwörter markiert sind o. Ä.

In Mathematik könntest du ähnlich vorgehen. Wer gut ist, muss Beispiele finden und diese auch am nächsten Tag der Klasse präsentieren. Der Durchschnittsschüler rechnet ein paar vorgegebene Aufgaben, und der nicht so leistungsstarke erhält mehr Hilfe, Bilder z. B., um die Aufgaben lösen zu können.

In den Fremdsprachen werden die Vokabeln meist nur halbherzig gelernt. Wie wäre es, wenn die Schüler zu Haus ein Vokabelmemory gestalten. Oder sie dürfen sich für einen Test Spickzettel mit den schweren Wörtern machen – du wirst dich wundern, wie viele Vokabeln plötzlich sitzen.

Besonders viel bleibt bei den Schülern hängen, wenn du die Aufgaben offen und vorbereitend stellst. Andere Beispiele für freie Aufgaben können im Sachunterricht bspw. sein, etwas über Berufsgruppen herauszufinden, einem Autor nachzuspüren, etwas über andere Länder zu erfahren, Kochrezepte auszuprobieren, Fragen zum nächsten anstehenden zu Thema formulieren usw.

Wenn du dich an diese Art der Aufgaben - ob differenziert oder vorbereitend - heranwagst, wirst du nach kurzer Zeit bemerken, dass deine Schüler die Aufgaben lieber erledigen und damit dann auch Erfolge erzielen. Bereite die Eltern vor und erkläre ihnen, warum die Schüler z. T. unterschiedliche Aufgaben haben. Erkläre den Eltern, dass Hausaufgaben für dich eine Rückmeldung über das Können des Kindes sind. Nur so kannst du jedes Kind individuell unterstützen und dort abholen, wo es steht.

Ganz zum Schluss noch ein Hinweis: Wenn das, was jemand geleistet hat, keine Würdigung findet, dann werden die nächsten Aufgaben nicht so sorgfältig erledigt. Darum geh immer herum und schaue nach, lobe, wenn du einen individuelle Fortschritt erkennst, und kritisiere (höflich), wenn doch etwas zu wenig war.

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Frau Sander ist außerdem akademische Mitarbeiterin am Institut für Unterrichtsentwicklung an der Pädagogischen Hochschule. Die Mutter von sechs Kindern ist als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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