Unterricht

Lerntyp bestimmen – Lernwege anbieten

Alles, was man lernt, läuft durch die Sinneskanäle zum Gehirn. Aber es gibt verschiedene Wege, wie man Gelerntes aufnimmt. Entsprechend vielfältig sollten auch die Lernangebote sein.
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Man unterscheidet theoretisch fünf Lernarten: durch Lesen, Hören, Sehen, Schreiben und Handeln.

In der Praxis zeigt sich allerdings, dass die meisten Menschen „Mischtypen“ sind. Insgesamt ist es immer nützlich, mehrere Lernwege zu kombinieren (Multisensorik). Dennoch ist es für den einzelnen Schüler hilfreich zu wissen, welcher Lerntyp er ist, um beim Lernen gezielt diejenigen Fähigkeiten einzusetzen, die in der eigenen Persönlichkeit am deutlichsten ausgeprägt sind.

Mit dem Lerntypen-Experiment lässt sich das problemlos feststellen. Die zum Lerntyp passenden Lernmethoden helfen den Schülern, sich den Stoff auf ihre eigene Weise besser merken zu können.

Damit Sie Ihren Schülern verdeutlichen können, welche unterschiedlichen Lerntypen es gibt und welche verschiedenen Möglichkeiten sich jeweils bieten, Schulstoff zu erlernen, zu wiederholen und zu behalten, werden nachfolgend kurz die die einzelnen Typen vorstellt.

Typ Lesen:

  • laut lesen
  • 5-Gang-Lesemethode
  • verschiedene Texte/Bücher zum Stoff heranziehen
  • Wichtiges markieren und mehrmals hintereinander lesen

Typ Hören:

  • laut lesen
  • Text auf Tonträger aufnehmen, abspielen
  • (Fremdsprachen-)CD/DVD anhören
  • sich im Lernteam (ggf. in der Familie) gegenseitig vorlesen
  • im Unterricht gut zuhören
  • sich abfragen lassen

Typ Sehen:

  • farbig unterstreichen
  • Hefteinträge übersichtlich und farbig gestalten
  • Lernplakate anfertigen und aufhängen
  • Vokabeln auf Kärtchen schreiben und aufhängen
  • Zeichnungen/Bilder als Merkhilfe anfertigen

Typ Schreiben:

  • Lernkartei anlegen
  • Text mit Randnotizen versehen
  • Gelerntes aufschreiben und anschließend auf Vollständigkeit/Richtigkeit überprüfen
  • Stichworte/Faktenliste … anlegen
  • Spickzettel anfertigen (und dann nicht verwenden)

Typ Handeln:

  • zum Thema passende Bewegung machen
  • Zeichnungen/Bilder anfertigen (dreidimensional)
  • basteln zum Thema passende Gegenstände sammeln
  • herumlaufen, im Takt klatschen

Anschließend können Sie das Lerntypen-Experiment starten. Hierzu benötigen Sie:

  • 10 Karteikarten mit je einem Wort, um den Typ Lesen zu testen
  • 1 Karteikarte, auf der 10 Wörter notiert sind, um den Typ Hören, Schreiben und Handlen zu testen
  • 10 Gegenstände, die unter einem Tuch versteckt sind (altersgerecht), um den Typ Sehen zu testen

In jedem Teil des Experiments geht es nun darum, sich möglichst viele der zehn Wörter zu merken. Jede Sequenz ist gleich aufgebaut, und es bedarf absoluter Ruhe:

Darbietung der Wörter

Für den Typ Lesen werden die einzelnen Karteikarten je zwei Sekunden lang in die Höhe gehalten, sodass die Schüler das notierte Wort gut lesen können

Für den Typ Hören werden die auf der Karteikarte notierten Wörter im Abstand von zwei Sekunden laut und deutlich vorgelesen.

Für den Typ Sehen werden die unter dem Tuch versteckten Gegenstände je zwei Sekunden lang gezeigt.

Für den Typ Schreiben werden die auf der Karteikarte notierten Wörter langsam und deutlich diktiert, die Schüler decken nach dem Schreibvorgang die von ihnen notierten Begriffe ab.

Für den Typ Handeln werden die auf der Karteikarte notierten Begriffe vorgelesen und ggf. gleichzeitig pantomimisch dargestellt bzw. Es wird zusätzlich darauf gezeigt.

Ablenkung (sonst würde nur das Kurzzeitgedächtnis getestet werden)

  • 30 Sekunden schriftlich rechnen
  • 30 Sekunden Kopfrechnen
  • gemeinsam ein Lied singen
  • 30 Sekunden lang an verrückte Dinge denken (z. B. rosa Elefanten im Urwald)
  • Gymnastikübungen

Die Schüler haben nach jeder Ablenkung eine Minute lang Zeit, möglichst viele Wörter aus dem Gedächtnis zu notieren, die Reihenfolge ist dabei egal.

So sollte nun jeder Schüler herausfinden können, welcher Lernweg für ihn persönlich der passende ist. Selbstverständlich müssen Sie als Lehrer darüber aufklären, dass dieses Experiment zum einen keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit hat, sondern Vorlieben und Tendenzen aufzeigt, die sich auch wieder ändern können.

Zum anderen wird dadurch auch nicht der eine Lerntyp schlechthin und die ausschließliche Lernmethode zementiert, sondern es wird den Schülern verdeutlicht, welche Möglichkeiten es gibt, sich Stoff anzueignen und zu ihn behalten. Sämtliche Methoden können selbstverständlich untereinander kombiniert und variiert werden und sind somit individuell einsetzbar.

Die Autorin Patricia Mayer unterrichtet seit mehreren Jahren Deutsch und Geschichte. Sie war Mitarbeiterin an einem Forschungsprojekt über mittelalterliche Handschriften im Bereich „Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters“ an der Universität Augsburg. Frau Mayer befindet sich ab Ende August 2014 im Mutterschutz mit anschließender Elternzeit.

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