Unterricht

Multisensorik – lernen mit vielen Sinnen

Dass es unterschiedliche Lerntypen gibt, die jeweils eine Präferenz für eine bestimmte Art der Informationsaufnahme haben, ist hinlänglich bekannt. Auch ganzheitliches Lernen nach Maria Montessori ist gängige Unterrichtspraxis. Neueste Forschungen im Bereich der multisensorischen Lerntheorie haben ergeben, dass sich Lerninhalte noch leichter einprägen, wenn mehrere Sinne parallel angesprochen werden. Folgender Artikel bietet Ideen dafür, wie möglichst viele Sinneswahrnehmungen im Unterrichtsalltag verknüpft werden können.
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Die Schüler können sich neue Vokabeln beispielsweise deutlich besser merken, wenn sie das Wort nicht nur hören, sondern auch ein Bild dazu sehen bzw. passende Gesten ausführen. Wird auch noch der Geruchs- und/oder Geschmackssinn angesprochen, sind alle sensorischen Wahrnehmungen perfekt verknüpft, und das Gehirn kann den Ausdruck optimal behalten.

Natürlich ist es für den Lehrer im Schulalltag nur selten möglich, immer alle Sinne anzusprechen, Informationen aus zwei Sinnesorganen lassen sich allerdings durchaus regelmäßig und meist ohne großen Aufwand assoziieren.

Anregungen für den Schreibunterricht, mit deren Hilfe die Schüler leicht Zugang zu einem Thema finden können:

  • Fantasiereise zur Einstimmung
  • Rollenspiel, um sich in eine Situation hineinversetzen zu können
  • stimmungsvolle bzw. passende Musik im Hintergrund
  • Fenster je nach Thema schließen oder weit öffnen, um Wärme bzw. Kälte zu fühlen
  • thematisch passende Bilder an die Wand projizieren
  • Duftlampe oder Raumspray mitbringen, duftende Lebensmittel oder Pflanzen durchreichen
  • thematisch passendes Essen anbieten, entweder von der Lehrkraft organisiert oder von den Schülern selber mitgebracht

Vielleicht ist die Behandlung eines thematischen Schwerpunkts auch fächerübergreifend realisierbar. Anregungen zum Lerninhalt am Beispiel „Wasser“:

  • Informationen über Tiere und Pflanzen der Wasserwelt
  • Informationen über die Eigenschaften von Wasser
  • Informationen über die Bedeutung des Wassers (für die Menschheit)
  • Malen mit Wasserfarben
  • Malen von, Wasserpflanzen und -lebewesen, Strandbildern etc.
  • Hören verschiedener Arten von Wasserrauschen, Wasserfällen, Wassertropfen etc.
  • Berechnung von Volumen, eigenes Experimentieren mit Messbechern etc.
  • Probieren verschiedener (Mineral-)Wassersorten
  • Besprechung des Wortfelds/der Wortfamilie „Wasser“, auch in Fremdsprachen

Gibt es nur begrenzte Möglichkeiten, einen Lerninhalt multisensorisch zu vermitteln, ist es immer wichtig, die Methoden zu variieren und auf einen Wechsel von aktivem und passivem Unterricht zu achten, um den verschiedenen Lerntypen innerhalb einer Klasse gerecht zu werden. Nach einer langen Phase der Aufmerksamkeit, beispielsweise während eines Lehrervortrags, sollte immer physische und psychische Aktivierung in Form von selbsttätigem Erarbeiten folgen, um dem Leistungs- und Konzentrationsknick vorzubeugen.

Spielerisches Lernen bietet ebenfalls viele Möglichkeiten, verschiedene Sinne anzusprechen. Auch wenn es teilweise mit einem erhöhten Aufwand an Vorbereitung verbunden ist, lohnt es sich, Rollenspiele, Rätsel oder Kartenspiele vorzubereiten.

In diesem Zusammenhang sollten Sie auch immer wieder an Gruppenarbeitstechniken denken, die sich prima dazu eignen, den Lernstoff zu differenzieren und Material und Methoden einzubringen, die die verschiedenen Lerntypen berücksichtigen. Zu guter Letzt ist der situationsgerechte und zweckmäßige Einsatz aller möglichen Medien ein Garant für abwechslungsreichen, multisensorischen Unterricht.

Seien Sie kreativ, denn nur dann fördern Sie auch die Kreativität Ihrer Schüler, die dadurch zu Künstlern, Schöpfern, Entdeckern, Erfinder und vielleicht sogar zu Genies werden!

Die Autorin Patricia Mayer unterrichtet seit mehreren Jahren Deutsch und Geschichte. Sie war Mitarbeiterin an einem Forschungsprojekt über mittelalterliche Handschriften im Bereich „Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters“ an der Universität Augsburg. Frau Mayer befindet sich ab Ende August 2014 im Mutterschutz mit anschließender Elternzeit.

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