Unterricht

Weniger ist mehr – Unterrichtsstoff passgenau portionieren

„Das war viel zu viel Stoff für diese eine Stunde …“ – „Hätte ich bloß noch eine Aufgabe zusätzlich eingeplant, die Schülerinnen und Schüler waren deutlich zu früh fertig!“ Erkennen Sie sich und Ihre Situation wieder? Zu Beginn des Referendariates fällt es vielfach noch schwer, den Unterrichtsstoff quantitativ in den Dreiviertelstunden-Rhythmus einzupassen. Der folgende Fachbeitrag möchte Sie bei der passgenauen Unterrichtsplanung unterstützen und zeigt Ihnen Methoden, die helfen, den Unterrichtsstoff für Ihre Lerngruppe angemessen zu portionieren.
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Sammeln und sichten

Sie haben ein Stundenthema gefunden? Dann werden Sie nun alle Materialien und Fachtexte, die Sie zu dieser Thematik finden, sammeln. Legen Sie sich dazu ein Extra-Fach oder Ähnliches an, in das Sie alle Dinge rund um die Stundenthematik einsortieren.

Formulieren Sie zunächst Ihr grobes Stundenziel aus. Hierbei ist es hilfreich, wenn Sie eine „indem“- Schreibweise verwenden.

Etwa: Die Schülerinnen und Schüler sollen den Inhalt des Gedichtes kennen lernen und nachvollziehen, indem sie diesem zunächst hörend begegnen und es dann mithilfe von Bewegungen körperlich umsetzen.

Ist das Stundenziel gefunden, sollten Sie Ihre gesammelten Materialien auf geeignete Hilfsmittel für den Unterricht überprüfen.

Didaktisch und methodisch reduzieren

Haben Sie ein grobes Stundenziel gefunden und einige hilfreiche Materialien gesammelt, ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem Sie sich überlegen sollten, in welchen Teilschritten Sie dem Grobziel näher kommen möchten.

Was genau ist also notwendig, um das Ziel Ihrer Stunde zu erreichen – und welche Ihrer Materialien können die Lernprozesse Ihrer Schülerinnen und Schüler dabei gezielt und in kleinen Schritten fördern und fordern? Behalten Sie dabei im Blick, welche Lernmaterialien Sie in den einzelnen Phasen einsetzen möchten: etwa beim Einstieg, in der Erarbeitungsphase und in der Ergebnissicherungsphase. Achten Sie darauf, was für das Erreichen Ihres Lernzieles wesentlich ist – und welche Inhalte zu umfassend sind.

Ist diese didaktische Reduktion erfolgt, sollten Sie eine methodische Konzentration durchführen. Auch hier gilt: Weniger ist in den meisten Fällen mehr. Wenden Sie beispielsweise Methoden an, die Ihre Schülerinnen und Schüler bereits kennen. Und: Hilfreich sind auch Unterrichtsmethoden, die das eigenständige Lernen der Lerngruppe anregen – so etwa ein Lernbuffet, das Lernen an Stationen oder auch eine Planarbeit. Diese halten für jeden einzelnen Lerner und jede einzelne Lernerin Aufgaben bereit und gewähren so eine differenzierte Arbeitsweise.

Learning by doing …

Gehen Sie Ihre Unterrichtsstunde einmal Schritt für Schritt durch und formulieren Sie Arbeitsaufträge und Ihren Sprechanteil in den Gelenkstellen des Unterrichts aus. Diese sollten Sie sich einmal vor dem Spiegel vorsprechen und mit einer Stoppuhr zeitlich fixieren.

Beobachten Sie im Unterricht Ihrer Mentorinnen und Mentoren genau, wie lange die Klasse beispielsweise für das Bilden eines Stuhlkreises benötigt – oder auch für das Bearbeiten von Seiten im Schülerheft. Diese gezielten Erfassungen erleichtern Ihnen die Unterrichtsplanung und das Zuteilen von Arbeitszeiten sehr.

Und: Lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Überlegen Sie bereits vor der Unterrichtsstunde, an welchen Stellen Sie kürzen könnten und wo Sie ggf. differenzierendes Material für rasche Lernerinnen und Lerner bereithalten.

Nach und nach werden Sie den Zeitbedarf einer Unterrichtsstunde recht genau einschätzen können und können ganz im Sinne einer guten didaktischen und methodischen Reduktion ausmachen: „Weniger ist häufig mehr – auch bei der Portionierung des Unterrichtsstoffes!“

Alexandra von Plüskow ist Grund-, Haupt- und Realschullehrerin. Als solche sowie als Fachberaterin für das Fremdsprachenlernen in der Grundschule war sie an der Landesschulbehörde tätig. Derzeit arbeitet die zweifache Mutter als freie Fachjournalistin für verschiedene pädagogische Verlage sowie als Lehrbeauftragte.

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