Unterricht

Konzentrationsförderung im Referendariat

Immer mehr Menschen erleben in Zeiten permanenter Belastung das Gefühl, überfordert und ausgepowert zu sein. Sich nicht auf die Herausforderungen fokussieren zu können, führt letztlich zu Konzentrationsschwächen. Die speziellen Belastungen von Referendaren (u. a. Lehrproben, Unterrichtsvorbereitungen, Leistungsdruck) verlangen nach Techniken, die diesem Problem entgegenwirken. Welche Wege gibt es, einer Konzentrationsschwäche zu begegnen und leistungsfähig zu bleiben?
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Zur Konzentration als eine willentliche Aufmerksamkeitslenkung auf eine bestimmte Tätigkeit verbraucht das Gehirn viel Energie, und es ist anstrengend, sich nicht ablenken zu lassen. Allgemein gilt, dass bei hoher Fokussierung das Gehirn nach 90 Minuten eine Pause braucht.

Vielen fällt es schwer, sich zu konzentrieren. Warum? Oft führen umfangreiche Belastungen und Beanspruchungen sowie Probleme und Ängste zu Übermüdung und Erschöpfung, die unsere Gedanken beeinflussen. Denn wenn neben der geistigen die körperliche Spannkraft nachlässt, wenn man müde und gestresst ist, lassen sich keine klaren Gedanken mehr fassen.

So empfinden angehende Lehrer bspw. die Monate des Referendariats als Tortur. Sie fühlen sich nur unzureichend von der Hochschule auf die Alltagspraxis vorbereitet und sind durch die neuen Herausforderungen oft überfordert. Unsicherheiten, häufige Unterbrechungen und das Negieren des Biorhythmus machen fahrig und unkonzentriert.

Dass Frustrationstoleranz und Resilienz unterschiedlich ausgeprägt sind, hängt mit der persönlichen Disposition zusammen. Mögliche Ursachen von Konzentrationsschwächen im Überblick:

  • berufliche oder private Überforderung, psychischer Druck, Stress und Burn-out
  • Schlafmangel oder -störungen
  • falsche Ernährung, Mangel an Vitaminen und Nährstoffen
  • Bewegungsmangel
  • regelmäßiger Alkoholkonsum
  • Essstörungen

Ist eine Grunderkrankung Ursache der Konzentrationsschwäche, muss diese von einem Facharzt behandelt werden.

Wie lässt sich Konzentration steigern?

Drei wirksame Faktoren sind:

1. Nicht perfekt sein wollen

Gerade vor Prüfungen stehen „Perfektionisten“ unter Anspannung. Der große Ehrgeiz, Topleistungen vollbringen zu wollen, ist oft verbunden mit Versagensängsten.

Der Ausweg aus der Perfektionsfalle gelingt mit der Einsicht, dass das Streben nach Höchstleistung die eigene Gesundheit und Zufriedenheit belastet. Loslassen, die eigene Unvollkommenheit akzeptieren, aber trotzdem nicht schlampig werden, sich Fehler erlauben, sich auf Erfolge, statt auf Fehler zu konzentrieren, muss die Devise sein. Dann ist konzentriertes Arbeiten besser möglich.

2. Aufgaben nach dem Pareto-Prinzip planen

Der italienische Soziologe Vilfredo Pareto (1848–1923) erkannte, dass die von ihm entwickelte 80:20-Regel nicht nur in der Ökonomie, sondern allgemein gültig ist. Kernaussage ist, dass 20 % der eigenen Anstrengungen für 80 % des persönlichen Erfolgs verantwortlich sind. Pareto postuliert, dass die Effektivität nicht am Zeitverbrauch festzumachen ist. Klug ist es daher, Aufgaben zu priorisieren, konkrete Arbeitsplanungen vorzunehmen, und somit auch klar zu definieren, was liegen bleiben kann.

Relativ einfach ist die Aufgabenplanung mit dem Erstellen einer To-do-Liste. Die Formulierung konkreter Ziele, von Methoden und Techniken, lehrt, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Die To-do-Liste verdeutlich, welche Aufgaben wichtig und zuerst zu erledigen und welche überflüssig sind.

3. Berufliches und Privates ausbalancieren

Zur Gesunderhaltung ist es erforderlich, einen Ausgleich der Aktivitäten in den unterschiedlichen Lebensbereichen zu schaffen. Dazu gehören regelmäßige Pausen, Sport und Erholung.

Wer zu wenig schläft, ist tagsüber nicht fit. Gesunder Schlaf – im Durchschnitt sieben Stunden – beeinflusst die Konzentration und das Wohlbefinden.

Viele können vormittags effektiver arbeiten als nachmittags oder abends, bei anderen ist es umgekehrt. Finden Sie Ihre „Primetime“. Es lohnt sich. Ein hoher Wasser- oder Teekonsum – dazu Obst und Gemüse – helfen, die Konzentration stabil zu halten.

Fazit

Konzentrationsschwäche ist oft eine Folge zu starker Beanspruchung und Belastung. Wer immer nach Perfektion strebt, bereitet sich Stress und verliert viel Energie und Lebensfreude.

Gute Voraussetzungen zur Steigerung der Konzentration sind ausreichend Schlaf, eine gesunde Ernährung, Licht, Bewegung, Einschränkung des Medienkonsums, Ordnung am Arbeitsplatz, Pausen und Konzentrationsübungen.

Einige Übungen zur Konzentration finden Sie hier: www.mental-aktiv.de

Günther Hoppe verfügt über langjährige Erfahrungen als Lehrer, Schulleiter und Regierungsschuldirektor. Während seiner Dienstzeit lagen seine Arbeitsschwerpunkte vor allem in den Bereichen externe Evaluation, Qualitätssicherung und -entwicklung für Schulen. Zudem konnte Günther Hoppe zusätzliche Qualifikationen als EFQM-Assessor erwerben und war in der Qualifizierung neuer Schulleiterinnen und Schulleiter beschäftigt.

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