Unterricht

Plötzlich steh ich da alleine – der erste eigene Unterricht

Es ist bald so weit: Du sollst deinen eigenen Unterricht halten. Doch was gilt es hierbei, zu beachten? Was ist, wenn etwas schiefläuft? Der folgende Beitrag liefert erste Unterstützung.
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Gut vorbereitet

Die Vorbereitung deines Unterrichtes ist das A & O für sein Gelingen. Gehe deine Unterrichtsvorbereitung gemeinsam mit der dich betreuenden Lehrkraft genau durch und plane gerade die Gelenkstellen, in denen einiges schieflaufen kann, detailliert. Notiere dir Arbeitsaufträge, die du erteilen möchtest, vorher im genauen Wortlaut und lerne sie auswendig. Schreibe neben deine Unterrichtsplanung, welche Medien und Materialien du einsetzen möchtest, und stelle bzw. lege sie vor dem Unterricht bereit.

Wende möglichst in den ersten eigenen Unterrichtsstunden keine den Schülern unbekannte Methoden an, sondern greife auf bereits routinierte Dinge zurück.

Was schieflaufen kann …

Und trotzdem schützt dich die präzise Planung nicht vor möglichen Pannen. So etwa kann es dir auf einmal ganz unangenehm sein, im Fokus der Aufmerksamkeit deiner Schüler zu stehen. Mache dir das vorher klar – und überlege, wie du in dieser Situation mit diesem Gefühl umgehen möchtest. Du kannst dem etwa durch gezielte Atemübungen begegnen, die du vor den Kindern unbemerkt praktizieren kannst. Atemübungen und stimmbildende Maßnahmen helfen dir auch, wenn die Stimme wegkippt.

Einige Übungen sowie kurze Meditationen findest du übrigens zahlreich auch im Internet.

Halte außerdem den Blickkontakt zu den Schülern und bewege dich langsam und ruhig im Klassenraum, wenn du sprichst. Dies strahlt Souveränität aus. Überlege dir zuvor, was du machst, wenn dir die Knie zittern. Stelle dir z. B. einen Stuhl bereit, von dem aus du weiter unterrichten kannst.

Ein alter Moderatoren-Trick hilft dir, deine Hände sinnvoll während des Unterrichts einzusetzen. Nimm dir einen Bleistift, den du mit beiden Händen vor dem Körper halten und mit dem du auch auf bestimmte Dinge zeigen kannst. Du solltest jedoch niemals einen Kugelschreiber oder ähnlichen Stift nehmen, denn diesen könntest du in der Aufregung auseinanderschrauben. Und genau das wirkt wenig souverän.

Hilfe, mir entgleitet die Klasse

Du hast das Gefühl, deine Klasse entgleitet dir? Dann solltest du zunächst mithilfe deiner Körpersprache und der Stimme darauf reagieren. Wende dich gezielt den störenden Kinder zu. Aber stell diese nicht vor der Klasse bloß, sondern nutze etwa Phasen der individuellen Arbeit dazu, mit diesen Schülern kurz Kontakt aufzunehmen und den Grund für das Stören herauszufinden. Sprich leiser, in vielen Fällen wird die Lerngruppe auch leiser.

Nutze die Zeit nach dem Unterricht zur eigenen Reflexion. Aus welchen Gründen konnte dir die Klasse entgleiten? Lag es an der Vorbereitung, an den verwendeten Methoden und Medien? Lag es an dir? Oder gab es Störungen, die die Klasse betrafen? Gab es äußere Störungen etwa von draußen?

Besprich diese Faktoren mit der dich beratenden Lehrkraft und entwickle mit ihr gemeinsam Strategien gegen weitere Störungen.

An die ersten Schritte, die man allein im Klassenraum macht, erinnert sich jede Lehrkraft allzu gut. Dies ist eine besondere Phase, in der auch etwas schieflaufen kann. Wichtig ist, diese Missgeschicke und auch Sorgen als Chance zu sehen und konstruktiv für den weiteren Berufsweg zu nutzen. Und das Gespräch mit anderen Lehrkräften sowie Referendaren zu suchen. Denn „gemeinsam statt einsam“ ist ein bedeutendes Motto, das Lehrkräfte durch ihre Laufbahn begleiten sollte – von Anfang an.

Alexandra von Plüskow-Kaminski arbeitet seit 1998 als Grundschullehrerin im Landkreis Lüneburg. Sie ist derzeit vom Land Niedersachsen als Bildungskoordinatorin der Bildungslandschaft Heidekreis in die Stabsstelle Schulverwaltung, Bildung und ÖPNV in Soltau abgeordnet. Die zweifache Mutter verfasst als Fachjournalistin Texte und Materialien für verschiedene Verlage und Magazine.

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