Zusatzqualifikationen aufbauen

Referendariat im Ausland

Eigentlich ist es eine tolle Idee, die ersten Berufsjahre an einer Schule im Ausland zu verbringen. Das ist aber nicht ganz so einfach, wie man sich das vorstellt, denn das Referendariat ist eine duale Ausbildung – ein Teil findet in der Schule statt, der andere in einem Studienseminar und das einmal in der Woche. Außerdem sollen in der Zeit auch Unterrichtsversuche gegenseitig bewertet werden. Das alles fällt an einer Schule im Ausland weg.
Fotolia 106547896 XS Thomas Reimer - Fotolia

Unmöglich ist das Ganze aber dennoch nicht. Es gibt die Möglichkeit, an einer deutschen Schule im Ausland das Referendariat zu absolvieren, wenn die Zusage dieser Schule im Ausland dazu vorliegt und eine deutsche, verbeamtete Lehrkraft die Verantwortung für die Ausbildung übernimmt und auch durchführt.

Auf dieser Seite des Bundesverwaltungsamtes gibt es die erforderlichen und auch neusten Infos: www.bva.bund.de/SiteGlobals/Forms/Suche/Servicesuche_Formular.html

So wird die Zusammenarbeit in Vietnam zum Beispiel besonders gefördert.

Allerdings muss man sich im Vorfeld einfach Gedanken darüber machen, was man wirklich will. Wer eine sichere Stelle in Deutschland, eventuell noch in Form einer Verbeamtung anstrebt, der sollte sich um die möglichen wenigen Plätze an deutschen Schulen bewerben.

Wer allerdings einige Zeit überbrücken möchte oder wer vorhat, einfach mal zu schauen, was passiert, für den gibt es noch mehr Möglichkeiten. Zum einen kommen dafür natürlich die deutschen Auslandsschulen infrage. Aber auch andere Schulen im Ausland nehmen sehr gern Lehrer aus Deutschland an. Das zählt dann nicht zum Referendariat dazu – ist aber eine Erfahrung, die vielleicht sehr viele andere Vorteile mit sich bringt.

Dabei gibt einige Dinge zu beachten: Bewirbt man sich über die Zentrale für Auslandsschulwesen Bundesverwaltungsamt – so liegt die Bezahlung auf deutschem Niveau, ebenso wie auch Versicherungen und so weiter. Auch die Reisekosten gehören zum Programm. Ebenso das Aufklären über nötige Impfungen und die Unterstützung in Visaangelegenheiten.

Bewirbt man sich selbst, erfolgt das alles auf Ortsniveau – was bedeutet, dass die Bezahlung an das jeweilige Land angepasst ist. Reisekosten sind nicht inbegriffen, und auch die Versicherungen sind landestypisch. Impfungen und Visa müssen vor Antritt der Stelle abgeklärt und beantragt werden. Trotzdem kann das Ganze sehr interessant sein, und vielleicht wird daraus auch noch eine Dauerstellung – wenn auch auf landestypischem Niveau.

Nun gibt es aber für abenteuerlustige Menschen, die gern die Sicherheit einer Stelle in Deutschland haben, noch weitere Alternativen. Zwar haben wir in Deutschland nicht die längsten Ferien, verglichen mit anderen Ländern, die im Sommer ihre Türen für drei Monate schließen –, aber unsere Ferien sind doch recht lang. Es spricht nichts dagegen, in den Ferien ein Praktikum an einer Schule im Ausland abzuleisten. Am besten eignen sich natürlich dazu die Sommerferien – aber auch zwei Wochen über Pfingsten sind sehr gut geeignet.

Hier liegt es jedoch auch wieder in der eigenen Verantwortung, Visa und Gesundheits- und Reisegenehmigung selbst zu organisieren. Auch eine Bezahlung wird es kaum dafür geben – aber viel Erfahrung, interessante Einblicke, Freundschaften fürs Leben und vielleicht die eine oder andere Perspektive, wie es im Leben weitergehen soll. 

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Frau Sander ist außerdem akademische Mitarbeiterin am Institut für Unterrichtsentwicklung an der Pädagogischen Hochschule. Die Mutter von sechs Kindern ist als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.